Review: Boom Library SoundWeaver

Der Zufall unter Kontrolle: SoundWeaver

Jeder Sound Designer kennt das Problem aus einer unzähligen Menge von einzelnen Klangereignissen, die sich im Laufe der Jahre auf lokalen Speichern oder den Servern angesammelt haben, etwas Neues zu erstellen. Viele Kombinationen müssen ausprobiert, gemischt, verschoben oder gepitcht werden, usw. Dabei werden Sounds nach MetaDaten, Keywords und anderen Kriterien gewählt, geladen, verworfen und wieder neu zusammengestellt. Um diesen Prozess mit einem gewissen Mass an zufälligen Vorschlägen teilweise zu automatisieren wurde das Programm SoundWeaver vom renommierten Anbieter von Sound FX „Boom Library“ entwickelt. 

Boom Library SoundWeaver

Man merkt dem schnörkellosen Programm die Zielrichtung eines schnellen Workflows und Zugriffs sofort an – alles geht sehr schnell vonstatten. Offensichtlich ist SoundWeaver sehr effektiv programmiert. Für diesen Test lief SoundWeaver auf einem Mac Pro mit macOS Mojave, ist aber lauffähig ab OSX 10.9, oder in der Windows Version ab Windows 7 (64bit).

Die Hauptarbeit spielt sich in einem Fenster ab, dass wie eine Mini-DAW funktioniert – mit allen rudimentären Track-Funktionen wie Panning, Volume, Solo, Mute etc. Hier werden die einzelnen Tracks in Layers zusammengefasst, geladen und bearbeitet. Eine Pitch Funktion pro Layer ist gegeben und spielt eine wichtige Rolle beim manuellen Nachjustieren der Sounds. In einem Layer wird auf den Tracks immer nur ein WAV, AIFF oder MP3 File pro Track abgespielt – allerdings kann ein Layer eben aus vielen dieser Tracks bestehen. Das macht Sinn, da es hier um die Erzeugung von neuen SoundFX oder Atmos geht, nicht um arrangieren und fertig produzieren.

Groups fassen verschiedene Sounds zusammen, abhängig von den ausgewählten Keywords und/oder Metadaten. So ist eine flexible und übersichtliche Gliederung gegeben, die sich jederzeit weiter bearbeiten lässt. Entweder man benutzt die Zufallsfunktionen pro Track, Layer oder Group um neue Varianten und Kombinationen zu erstellen, oder man editiert Position, Pitch, Level usw. auch manuell nach.

Dieser zweiteilige Zugriff, dosierte Zufälligkeit plus manuelles Editieren, macht einen grossen Reiz von SoundWeaver aus. Man merkt sofort, dass hier Sound Library Profis am Werk waren. Sogenannte Snaphots runden das positive Bild ab. Sie dienen dazu momentane Mixes und Processings innerhalb eines Projektes abzuspeichern. Durch klicken auf ein Sanpshot wird dessen Zustand wieder abgerufen. 

Einzelne Groups können immer wieder neu randomisiert und hinzugefügt werden.

Wie sieht es denn nun mit den Exportfunktionen aus – schliesslich geht es hier darum Sounds für die Weiterverarbeitung zu erzeugen? Auch in diesem Bereich gibt es eine hohe Flexibilität. So können ein kompletter Mixdown, einzelne Snapshots oder alle Tracks als Einzelspuren auf einmal exportiert werden. Als wäre das nicht genug, gibt es auch die Möglichkeit eine Anzahl randomisierter Varianten während des Exportes zu erstellen. 

Die neuen Sounds können sowohl als Files, aber auch in die DAW der Wahl exportiert werden. Ich habe es mit Nuendo 10 praktiziert und der Export zu Nuendo, auch als einzelne Tracks, funktioniert problemlos. So können alle Einzelspuren in der DAW weiteren Bearbeitungen unterzogen werden. 

Während des Tests kam gleich eine neue Version des Entwicklers, die voreingestellte Pfade mit vorheriger Indexierung zulässt. Das erleichtert das Aufrufen bei der Group-Erstellung und beschleunigt die Auswahl von Samples durch die Zufalls-Engine. Man sieht, die Entwicklung von SoundWeaver geht munter weiter. Ich arbeite sehr viel mit Multichannel Files und deren Integration ist ebenso auf der To-Do List wie viele andere Vorschläge die durch die User gegeben wurden. Vielleicht sehen wir sogar Pitch-Hüllkurven, eine Version als Plug In für DAWs und sogar eine Host-Möglichkeit in SoundWeaver für Plug Ins? Boom Library steht offensichtlich engagiert hinter diesem Produkt. 

Fazit

SoundWeaver ist ein innovatives Produkt mit hoher Geschwindigkeit und Stabilität (kein einziger Absturz zu verzeichnen). Ich war erst etwas skeptisch ob die zufallsbeeinflussten Algorithmen in SoundWeaver brauchbare Ergebnisse vorschlagen und wurde sehr positiv überrascht. Die Funktionalität ist hoch und das Programm ist auf jeden Fall eine grosse Hilfe und Anregung im Umgang mit vielen Samples und SoundFX. 

Der Preis ist als angemessen zu bezeichnen und zielt eher auf professionelle Anwender. 

Die „no frills“ GUI kann begeistern, hat aber leider noch zu kleine Icons und Schriften an vielen Stellen. Die Klangqualität ist tadellos – das sollte aber auch heutzutage selbstverständlich sein.

Plus

  • Allgemeiner Gebrauchswert für Sound Design
  • Sinnvolle Zufallsfunktionen
  • Geschwindigkeit
  • Stabilität
  • Fun Factor
  • Überragende Export Funktionen 

Minus

  • Kleine Icons und Schriften
  • Noch keine Multichannel Files

Bewertung

Mit einem Schnitt von 23 von 25 Punkten, verdient sich Boom Library SoundWeaver von uns die Note “Sehr Gut“.

Lieferumfang:4 out of 5 stars (4,0 / 5)
Funktionsumfang:4 out of 5 stars (4,0 / 5)
Bedienung:5 out of 5 stars (5,0 / 5)
Verarbeitung:5 out of 5 stars (5,0 / 5)
Preis:5 out of 5 stars (5,0 / 5)
Durchschnitt:4.6 out of 5 stars (4,6 / 5)

Preis & Verfügbarkeit

SoundWeaver ist im Onlineshop von Boom Library als Download für Mac und PC zum Preis von 179,- EUR erhältlich. Eine 7 Tage Demoversion ist dort ebenfalls verfügbar.

Link

Boom Library SoundWeaver: www.boomlibrary.com

Nirto Karsten Fischer

Nirto Karsten Fischer

Nirto Karsten Fischer ist Komponist, Sound Designer und Produzent (Tonmeister VDT) für Film, Media und Brand Promotion. Seine Arbeiten findet ihr unter www.nsonics.com