Wissen: Backup & Archivierung

Datensicherung und Archivierung sind für die vielen wertvollen, teils einzigartigen Field Recordings besonders wichtig. Die wenigsten Anwender machen sich hier ausreichend Gedanken, oder gar ein Datensicherungs- und Archivierungskonzept. Sind die Daten einmal defekt, gelöscht oder gestohlen, macht sich der Frust breit und die mühsam gesammelten Klänge sind auf Ewig verloren.

Archivierung und Backup

Wir erklären in diesem Artikel die Unterschiede zwischen Archivierung und Backup, zeigen Vor- und Nachteile von lokalem und Cloud-Backup und geben Tips zur Datensicherung allgemein.

Backup

Backup, oder Datensicherung bedeutet in der IT die kurz- bis mittelfristige zusätzliche Speicherung von Daten, zur Wiederherstellung verlorener, oder fehlerhafter Daten, z.B. defekte Festplatte, Fehler in Applikation oder Nutzung.

Ein Backup hat in der Regel eine Aufbewahrungsfrist von wenigen Tagen bis Wochen und wird idealerweise versioniert, um auf unterschiedliche Stände zurückgreifen zu können.

Es gibt verschiedene Sicherungsarten: Inkrementell, differentiell, Vollbackup, Image (Speicherabbild).

Auch gibt es verschiedene Backupstrategien: First in, first out (FIFO), Großvater-Vater-Sohn, Türme von Hanoi, etc.

Wer sich zu genannten Sicherungsarten und -strategien belesen möchte, findet auf Wikipedia (https://de.wikipedia.org/wiki/Datensicherung) mehr Informationen.

Die 3-2-1-Regel

Laut der Firma VEEAM (bekannt für seine Backup-Lösung für virtuelle Serverumgebungen) raten Backup Experten zur relativ simplen 3-2-1-Regel:

3: Man sollte mindestens drei Kopien seiner Daten haben: Die Originaldaten und zwei Backups

2: Man sollte mindestens zwei verschiedene Arten von Medien für die Datensicherung nutzen, z.B. lokale Festplatte und einen Cloud-Speicher.

1: Mindestens ein Backup muss „offsite“ (also außer Hause) hinterlegt sein, z.B. in der Cloud oder einem anderen Gebäude.

Das bedeutet zusammengefasst, man sollte mindestens zwei Backups an zwei verschiedenen Orten anlegen. Wenn die lokalen Daten verloren gehen, können diese noch immer z.B. aus der Cloud wiederhergestellt werden.

Archivierung

Archivierung steht für langfristige Speicherung von Daten auf einem separaten Medium für Monate oder gar Jahre und dies nicht nur für Wiederherstellung im Bedarfsfall, sondern auch zur Dokumentation. Eine Archivierung ist schwierig langfristig zu planen, da Haltbarkeit und Lebenszyklen der Technik kurz sind und die Entwicklung bei Speichermedien permanent fortschreitet. Zudem sind Archivierungsmedien und -software meist teuer und nur mit Fachwissen zu benutzen.

Lösungen für Backup und Archivierung von Daten

Lokales Backup

Ein lokales Backup auf eine externe Festplatte oder NAS (Network Attached Storage) ist eine sehr verbreitete Lösung, da sie meist einfach zu benutzen und mittlerweile sehr kostengünstig zu realisieren lässt. In jedem Laden für Unterhaltungselektronik, ja sogar in vielen Supermärkten bekommt man mittlerweile Festplatten mit 1TB und mehr für unter 100,- Euro.

Wichtig zu wissen ist in diesem Kontext, dass sog. RAID-Systeme (ein Festplattenverbund aus mind zwei Festplatten) kein Backup darstellen. Leider wird dieser Irrglaube selbst noch bei Fachleuten vorbereitet und der Endverbraucher verlässt sich auf sein RAID im Rechner oder der NAS. Die unterschiedlichen RAID-Level bieten entweder eine Beschleunigung von Lese- und Schreibzugriffen, schützen vor plötzlichen Ausfällen einer Festplatte, oder kombinieren beides. Vor Datenverlust und logischen Fehlern in den Daten schützen sie jedoch alle nicht.

Jedoch kann eine NAS-System mit mindestens zwei Festplatten und RAID ein gutes Ziel fürs Erstbackup darstellen. Von hier aus (oder parallel dazu) lässt sich z.B. ein Zweit- oder Drittbackup auf eine externe USB-Festplatte und/oder Cloud-Speicher erstellen.

Die Datensicherung auf CD, DVD oder Blue Ray Disc ist eine weiter Möglichkeit. Jedoch ist die Lebensdauer von optisch beschrieben Medien umstritten, müssen korrekt gelagert werden und je nach gewählter Qualität können Daten schon nach einem Jahr nicht mehr lesbar sein. Zudem müssen die Daten erst gebrannt werden, was oft wesentlich langsamer ist, als diese einfach auf eine Festplatte zu schreiben.

Weiterhin ist die Menge der Daten stark begrenzt: Auf eine DVD passen nur ca. 4,7 GB (Single Layer). Auf Blue Ray Discs passen zwar bis zu 50 GB (Dual Layer), jedoch sind Brenner und Medien deutlich teurer als für DVD und einfach nicht genug verbereitet, da sich mittlerweile Festplatten durchgesetzt haben. Optische Medien eigenen sich jedoch als zusätzliches Backup-Medium, da hier keine Daten nach der Finalisierung der Disc gelöscht werden können (außer bei wiederbeschreibbaren, sowg. RW-Discs).

USB-Sticks gibt es in Hülle und Fülle. Jedoch ist auch hier die Haltbarkeit technisch bedingt (u.a. auf Grund begrenzter Schreib- und Lesezyklen) begrenzt und Qualität und Geschwindigkeit – gerade bei billigen Sticks – lassen oft zu wünschen übrig. Für den Austausch kleinerer Dateien zwischen zwei Rechnen ohne direkte Verbindung sind sie praktisch, jedoch nicht als Backup-Medium zu empfehlen.

Vorteile: 

  • Keine Gebühren
  • Schnelle Datenübertragung
  • Daten gelangen nicht ins Internet
  • Mit Verschlüsselung sehr hohe Datensicherheit

Nachteile: 

  • Mittlerer bis hoher Anfangsinvest
  • Datenträger liegen zu Hause (Kein Schutz gegen Brand, Diebstahl, Umweltkatastrophen, etc.)
  • Keine hochverfügbare Infrastruktur wie bei Cloud-Anbietern
  • Kauf und Einrichtung von Backup-Software u.U. nötig (extra Kosten)

Cloud-Backup

Die Datensicherung in die Cloud (die Wolke wird in Web 2.0-Kontext als Versinnbildlichen für onlinebasierte Speicher- und Serverdienste genutzt) ist eine immer mehr verbreitete Variante der Datensicuerung. Sie ermöglicht es ohne eigene Infrastruktur wie Festplatten oder Software die Daten sicher außer Haus aufzubewahren und sogar mit anderen zu teilen.

Professionelle Anbieter stellen dem Kunden neben Onlinespeicher in diversen Größen meist eigene Programme zur Verfügung die die Daten vom Rechner und angeschlossenen, externen Festplatten auf den Onlinespeicher synchronisieren. Teilweise wird auch die Möglichkeit geboten Systemabbilder, sog. Images, von Festplattenpartitionen oder gar ganzen Systemen zu erstellen. So lässt sich der eventuell defekte PC schnell wieder komplett lauffähig wiederherstellen.

Cloud-Dienste unterscheiden sich in Leistung und Preis immer noch immens. Es gibt Produkte für Consumer und den professionellen Anwender bzw. Unternehmen. Hier sollte man in Ruhe vergleichen und überlegen welche Funktionen für einen selbst sinnvoll erscheinen und welche nicht.

Insgesamt sinken die Preise aber schon seit langem und werden für jedermann langsam erschwinglich, nicht zuletzt weil der Trend in Richtung Zweitbackup in der Cloud geht und viele Leute Funktionen und Vorteile, nicht zuletzt dank Anbietern wie Dropbox, für sich erschlossen haben.

Anbieter für Cloud-Backup sind unter anderem: Microsoft Azure, Amazon Cloud Drive, Domain Factory Cloud Backup, Acronis Offsite Cloud Backup. Dazu gesellen sich noch meist kleinere Anbieter.

Hinzu gesellen sich Anbieter von Cloud-Speicher mit Synchronisierung wie z.B. Dropbox, Microsoft OneDrive, Telekom Magenta CLOUD, Apple iCloud, Strato HiDrive uvm. Diese Anbieter haben sich auf kleinen bis mittelgroßen Onlinespeicher spezialisiert. Oftmals liefert der Anbieter die Software zur Synchronisierung von Dateien und Ordern kostenfrei gleich mit.

Jedoch handelt es sich hier nicht um ein Onlinebackup in eigentlichem Sinne, denn lösche ich lokal auf dem Rechner eine Datei, wird sie in Bruchteilen von Sekunden auch beim Anbieter im Cloud-Speicher gelöscht. Oftmals ist eine Wiederherstellung dann noch unmöglich, es sei denn er bietet eine Art „Papierkorb“ für gelöschte Dateien an.

Die Preise für solch einen Cloud-Speicher sind oft meist höher, als bei spezialisierten Backup-Anbietern und nach oben hin meist auf wenige hundert Gigabyte oder einen Terabyte begrenzt. Oftmals wird ein kleines Kontingent an Speicher kostenfrei angeboten. Dies sollte man zum Ausprobieren durchaus nutzen und vielleicht als ein zusätzliches Backup für ausgewählte Daten nutzen.

Wichtig ist es sich mit den Geschäftsbedingungen und Service-Levels zu beschäftigen. Erweiterte Serviceleistungen, Support oder verschiedene Backup-Varianten werden meist nur kostenpflichtig angeboten. Wem das wichtig ist, muss hierfür bezahlen, oder sollte besser gleich direkt zu einem Backup-Spezialisten gehen.

Man sollte auch aktuelle Preise und Leistungen der Anbieter immer miteinander vergleichen. Eventuell macht es auch Sinn unterschiedliche Anbieter für unterschiedliche Datentypen zu nutzen

Vorteile:

  • Schnelle Bereitstellung
  • Niedriger Anfangsinvest
  • Sichere Datenhaltung durch prof. Dienstleister
  • Versionierung
  • Außer-Haus Backup (Daten sicher bei Brand, Diebstahl, Umweltkatastrophen, etc.)
  • Oft automatische Verschlüsselung
  • Teilweise Image-Backups des ganzen Systems möglich

Nachteile:

  • Meist kostenpflichtig
  • Oft hohe Kosten pro Jahr
  • Wenig Speichervolumen (kann nur teuer erweitert werden)
  • Nur mit einer schnellen Internetanbindung mit hoher Bandbreite bequem zu nutzen.
  • Oft Datenhaltung in Nicht-EU-Ländern (Stichwort Datenschutz)
  • Unter Umständen langsame Datenübertragung aus Archiv-Storage bzw. über langsame Leitung
  • Keine hundertprozentige Sicherheit vor plötzlichem Ausfall oder Einstellung des Dienstes

Cloud-Archivierung:

Leider gibt aktuell kaum Anbieter die eine reine Archivierung der Daten im Internet ermöglichen. Bei der Archivierung liegt der Fokus ja auf langfristige Ablage der Daten. Hier sind eher große Speichergrößen als schnelle Übertragung interessant. Archivierungsspeicher wird oftmals komprimiert und dedupliziert auf Tape oder langsameren Festplatten hinterlegt und kann auch oft erst mit etwas Wartezeit bei Zugriff versehen sein, da die Daten erst zur Verfügung gestellt werden müssen

Amazon Webservices bietet mit dem Produkt Glacier einen Archiv-Storage in seiner über die Jahre gereiften Infrastruktur an. Mittlerweile besitzt Amazon ein Rechenzentrum in Frankfurt am Main, sodass in Deutschland geltende Gesetze beachtet werden.

Amazon Glacier ist kostengünstig, da man nur für den tatsächlich genutzten Speicher bezahlt (0.012 US-Dollar pro GB/Monat) und die eingehende Datenübertragung zu Amazon kostenfrei ist. Es gibt praktisch keine Begrenzung in der Größe der archivierten Daten.

Erst wenn Daten z.B. bei Verlust bei Amazon abgerufen werden, zahlt man für die Übertragung, wobei das erste GB pro Monat kostenfrei ist und sich ansonsten der Preis stufenweise in Terabyte berechnet wird. Auch das Löschen von Daten vor einem Ablaufdatum kostet Geld.

Wen dies interessiert sollte sich bei Amazon intensiver über Funktion und Preise informieren. Es ist jedenfalls ein interessantes Produkt, dass die eigene, lokale Datensicherung ergänzen kann.

Eigene Cloud-Lösung als Alternative?

Mit Open Source Software wie z.B. OwnCloud und einem PC bzw. Server lässt sich auch eine eigene Cloud aufbauen. Dies bedarf jedoch Fachwissen für Installation und Administration. Zahlreiche Tutorials im Netz helfen aber dabei. Man sollte jedoch die Stromkosten im Auge behalten, denn ein 24 Stunden laufender Rechner kann sehr schnell selbige in die Höhe schnellen lassen.

Alternativ lassen sich mittlerweile auf vielen NAS-Systemen wie z.B. von QNAP oder Synology Applikationen wie z.B. Owncloud nachinstallieren, um somit Synchronisierung und Backup der Daten einfach und stromsparend zu ermöglichen.

Tools:

Egal welches Medium, eine gute Backup-Software kann helfen die Datensicherung einfach und automatisiert regelmäßig auszuführen. Hier gibt es für jeden Bedarf etwas, teils kostenfrei (Open Source, Freeware), teils auch kostenpflichtig. Aber auch schon das einfache Kopieren der Daten per Drag and Drop ist schon einmal besser als nichts. Versierte Benutzer können sich auch ein Sync- oder Backup-Script selbst schreiben.

Nutzt man Cloud-Dienste, so kann man entweder auf die Software des Anbieter zurückgreifen oder eines der zahlreichen Drittanbieter Tools nutzen. Im Netz finden sich Massen an kostenfreier, aber auch kommerzieller Software. Wir wollen an dieser Stelle aber erst einmal keine Vergleiche anstellen, das würde den Rahmen dieses Artikels sprengen.

Doch einen Tip wollen wir geben. Es ist war keine Backup-Software, aber ein praktisches Hilfsmittel für das Backup in die Cloud:

ExpanDrive

Hat man einen oder mehrere Cloud-Anbieter, um deren Speicher als Backup zu nutzen, so kann ein Tool wie ExpanDrive ziemlich hilfreich sein. Das Programm ist für Mac und Windows verfügbar, unterstützt zahlreiche Anbieter (Amazon Cloud Drive, Google Drive, Dropbox, Box, OneDrive, uvm.) und Übertragungsprotokolle wie WebDAV, S3 oder FTP/SFTP und stellt dabei den Cloud-Speicher als lokales Laufwerk im Mac Finder bzw. Windows Explorer dar, so als hätte man den Speicher wie einen USB-Stick an den Rechner gesteckt.

Backup-Software kann so die Backups wie auf ein lokales Medium schreiben. Aber auch jede andere Software kann Dateien aus diesen Laufwerken öffnen, bearbeiten und speichern. Egal wo wie sich befinden. Ein Syncen ist nicht notwendig. Uploads müssen nicht abgewartet werden, denn sie erfolgen im Hintergrund über mehrere Verbindungen gleichzeitig, so wie bei Google Drive oder Dropbox. Und das ohne extra Programmfenster.

Der Entwickler hat uns übrigens verraten, dass eine Linux Version von ExpanDrive voraussichtlich noch diesen Sommer erscheinen wird. Sehr gut!

Sehr hilfreich und mancher fragt sich, warum es so etwas nicht schon immer gab.

Fazit:

Eine Empfehlung für eine Backup-Strategie wollen wir in diesem Artikel nicht wirklich aussprechen, da jeder Benutzer individuell mit seinen Daten umgeht und sie für jeden unterschiedliche Werte darstellen. Auch das Budget spielt eine Rolle. Generell macht es Sinn eine Strategie aus mehreren Komponenten zu erstellen, z.B. ein lokales Backup mit einer Backup-Software auf eine USB-Festplatte, zusätzlich eine Kopie der Daten in einen Cloud-Speicher zur langfristigen Archivierung.

Wer ein NAS sein Eigen nennt, kann die Daten hierauf in Kopie ablegen und von dort aus auf eine separate, externe Festplatte und/oder Cloud-Speicher kopieren.

In einem weiteren Artikel werden wir uns Software zur datenbankbasierenden Organisation ansehen, die sich hervorragend auch zur Archivierung von Field Recordings und anderen Daten eignet.

Diskutiert mit uns, lasst uns wissen wie ihr eure Daten sichert, in den Kommentaren auf FieldRecording.de, oder auf Facebook.

Links:

Amazon Cloud Drive: https://www.amazon.de/clouddrive

Domain Factory Cloud Backup: https://www.df.eu/de/cloud-backup

Acronis Offsite Cloud Backup: http://www.acronis.com/de-de/cloud/backup

Microsoft Azure: https://azure.microsoft.com

Dropbox: http://www.dropbox.com

Microsoft OneDrive: https://onedrive.live.com/about/de-de/

Telekom Magenta CLOUD: https://magentacloud.de

Apple iCloud: http://www.icloud.com

Strato HiDrive: https://www.strato.de/online-speicher

Amazon Glacier: https://aws.amazon.com/de/glacier

ExpanDrive http://www.expandrive.com

 

Sebastian-Thies Hinrichsen

Sebastian-Thies Hinrichsen

Gründer, Betreiber und Chefredakteur von FieldRecording.de. Zudem Field Recordist und offizielles Mitglied der Wildlife Sound Recording Society. Profi mit mehrjähriger Erfahrung in Sachen Musik, Klanggestaltung, Tontechnik und Field Recording.