klingt gut! Symposium – Field Recording Workshop

Anlässlich des klingt gut! Symposiums für Tongestaltung fand am ersten Tag ein Field Recording Workshop mit Eric Leonardson, statt. FieldRecording.de hat ihn und die Teilnehmer dabei begleitet.

klingt gut! Symposium für Tongestaltung

Die Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg (HAW) und die Hamburger Student Section der Audio Engineering Society (AES) luden vom 4. bis 6. Juni 2015 zum klingt gut! Symposium für Tongestaltung auf dem Kunst- und Mediencampus Hamburg.

Zum pauschalen Eintrittspreis von 100,- EUR (AES/VDT Mitglieder und Studenten jeweils 50,- EUR) erhielt man für alle drei Tage Zugang zum gesamten Programm des Symposiums. Dabei präsentierten mehr als internationale Künstler und Wissenschaftler an drei Tagen Arbeiten zwischen Sounddesign, Klangkunst und elektroakustischer Musik im Zusammenhang mit visueller Gestaltung in Vorträgen, Workshops und Podiumsgesprächen sowie in Installationen und Performances.

Am ersten Tag fand ein mehrstündiger Field Recording Workshop statt, der von Gastdozent Eric Leonardson gehalten wurde. Das konnten wir uns von FieldRecording.de natürlich nicht entgehen lassen.

Zu Eric Leonardson

Eric Leonardson ist Komponist, Radiokünstler, Sound Designer, Instrumentenerfinder, Improvisateur, Bildkünstler und Lehrer aus Chicago, USA. Er hat einen Großteil seiner professionellen Karriere den unorthodoxen Herangehensweisen an Ton und seine Instrumentierung gewidmet.

Er ist Hilfsprofessor im Department of Sound am The School of the Art Institute of Chicago, Präsident des World Forum for Acoustic Ecology, Gründer und Co-Vorsitzender der Midwest Society for Acoustic Ecology, sowie Mitbegründer und Geschäftsführer des bekannten World Listening Project. Leonardson ist zudem professioneller Field Recordist mit jahrelanger, internationaler Erfahrung.

Theorie vor Praxis

Beginn des Workshops war am Donnerstagmorgen, 9 Uhr im dritten Stock des Neubaus des Kunst- und Mediencampus Finkenau, der fast schon idyllisch am Eilbekkanal in Hamburg gelegen ist.

Thomas Görne, Professor für Audiodesign und Audiosysteme und Leiter der Fakultät Design, Medien und Information, sowie des Department Medientechnik, begrüßte uns kurz nach Eintreffen persönlich. Die HAW-Studenten Sascha Wollin, Matthias Schubert unterstützten seitens der Hochschule den Workshop und halfen bei den Vorbereitungen.

Die Teilnehmerzahl war mit ca. 20 genau richtig gewählt. Unter den Teilnehmern waren sowohl Studenten der HAW, als auch Medienschaffende und andere Interessierte.

Alsdann wurden wir auch von Eric Leonardson, dem Gastdozenten, herzlich begrüßt.

Die erste Stunde bestand aus Vorträgen von Eric zum Thema Field Recording, deren vielfältige Aufnahmetechniken und Einsatzzwecke, sowie einem kleinen Ausflug in den Bereich der Akustik Ökologie. Im Anschluss gab es noch eine kleine Diskussionsrunde, die sich u.a. um die Themen Aufnahme- und Klangqualität drehten.

Der Soundwalk

Im Anschluss sollte es per S-Bahn raus zu den St. Pauli Landungsbrücken gehen, um dort unter Anleitung von Eric Leonardson Aufnahmen zu erstellen. Hierzu hatte die HAW für mehrere Gruppen professionelle Rekorder, Kopfhörer, (Stereo-) Mikrofone und Tonangeln bereitgestellt.

Da nahezu alle Teilnehmer bereits Erfahrung mit professioneller Tontechnik hatten, konnte die Einweisung abgekürzt werden und somit konnte es direkt raus an die frische Luft gehen.

Eric Leonardson fuhr gemeinsam mit den Teilnehmern mit der S-Bahn Richtung St. Pauli Landungsbrücken. Das Wetter war ideal an diesem Tag: Es war warm, sonnig, kaum Wind. Die Location ideal, da sie eine Vielzahl von Klangeindrücken, wie für einen Hafen üblich, bot.

Bevor die Teilnehmer sich selbst überlassen wurden, gab es noch ein paar Hinweise vom Dozenten, es wurde noch eine Uhrzeit und Treffpunkt besprochen und schon konnte es losgehen. Die Gruppen verteilten sich, nahmen die Atmospähre an den Landungsbrücken auf.

Diese boten an diesem Tag neben den oft lauthals gerufenen Anpreisungen der „Großen Hafenrundfahrt“ mit den Barkassen, Motorengeräusche der Schiffe, Quietschen und Ächzen der Gangways, Touristen jeglicher Herkunft und jede Menge von Wasser verursachte Geräusche direkt an der Elbe. Eric beobachtete die Teilnehmer genau, gab wichtige Hinweise, war jederzeit für Fragen ansprechbar.

Schließlich empfahl er den Teilnehmern auf unseren Tip hin sich auch den alten Elbtunnel vorzunehmen. Dessen Raumakustik und die einzigartigen, mechanischen Fahrstühle für Fahrzeuge könnten den Teilnehmern interessante Aufnahmen liefern. Ein paar der Gruppen nutzen die Chance und nahmen auch hier Einzelklänge und Atmos auf.

Nach rund einer Stunde fanden sich alle Teilnehmer am vereinbarten Treffpunkt wieder ein und es ging gemeinsam zurück zum Campus.

Abschluss

Auf Grund des engen Zeitplans und einigen Verzögerungen, war es leider nicht mehr möglich in großer Runde in einige der Aufnahmen gemeinsam reinzuhören. Auch wollten einige Teilnehmer noch einen nachfolgenden Workshop aufsuchen. So reduzierte sich die Zahl der restlichen Teilnehmer auf einige Wenige, was es den Teilnehmern wiederum ermöglichte die Eindrücke und Erfahrungen der vergangenen Stunde im Gespräch zu verarbeiten. Eric konnte so auch auf individuelle Fragen eingehen und gab noch ein paar Tips und Informationsquellen im Netz zum Thema Field Recording.

Die Teilnehmer konnten zum Schluss noch die Speicherkarten mit ihren Aufnahmen abgeben. Sie würden diese dann als Download bereitgestellt bekommen. Eric hatte zudem versprochen alle Aufnahmen zu kommentieren.

Klangbeispiele

Die HAW hat uns exklusiv drei Ausschnitte zum Anhören zur Verfügung gestellt:

Résumé

Es waren ein paar sehr interessante Stunden. Das Wetter spielte mit, die Gruppe bestand aus netten und interessierten Leuten. Die zur Verfügung gestellte Technik war höchst professionell. Mit Eric Leonardson als Gastdozent hatte das Symposium zudem einen erfahrenen Field Recordisten und vielschichtigen Klangkünstler eingeladen. Es war einzig ein wenig schade, dass dem Kurs selbst nicht genügend Zeit gewidmet wurde. Das Thema Field Recording ist jedoch so vielfältig, dass selbst ein Tag für Theorie und Praxis sehr knapp bemessen wären.

Wir schlagen fürs nächste Jahr einen zweiteiligen Kurs vor mit Theorie inkl. Hörbeispielen und mehreren Gastbeiträgen, sowie ein, zwei Exkursionen an unterschiedliche Locations (Hafen, Natur, etc.) vor, um dem Thema mehr Raum zu geben.

Zu gerne hätten wir noch weitere Workshops und Vorträge besucht, denn hier wurde noch so einiges geboten! Wir kommen nächstes Jahr gerne wieder und können das klingt gut! Symposium jedem Interessierten nur empfehlen.

Fotoalbum

Links

klingt gut! Symposium für Tongestaltung: www.klangsymposium.de
HAW Finkenau: www.haw-hamburg.de
Eric Leonardson: www.ericleonardson.org

Sebastian-Thies Hinrichsen

Sebastian-Thies Hinrichsen

Gründer, Betreiber und Chefredakteur von FieldRecording.de. Zudem Field Recordist und offizielles Mitglied der Wildlife Sound Recording Society. Profi mit mehrjähriger Erfahrung in Sachen Musik, Klanggestaltung, Tontechnik und Field Recording.