Review: IK Multimedia iRig Mic Field

Ende 2014 kündigte IK Multimedia ein neues Mikrofon für seine iRig Mic Reihe an: Das iRig Mic Field, ein ultrakompaktes Stereomikrofon für Aufnahmen mit Apple iPhone, iPad und iPod touch. Im Januar war es soweit, das iRig Mic Field kam in den Handel und FieldRecording.de durfte sich schon vor Veröffentlichung einen Eindruck machen. Ob das iRic Mic Field der Konkurrenz an bereits erhältlichen Ansteckmikros für iOS-Geräte mithalten kann?

Professionelle Audio- und Videoaufnahmen für unterwegs

Mit dem iRig Mic Field präsentiert der italienische Hard- und Softwarehersteller sein erstes, digitales Ansteck-Stereomikrofon für Audio- und Video-Außenaufnahmen mit iPhone, iPad und iPod touch. Damit steht es mit dem Platzhirsch RØDE i-XY, Tascam iM2/iXJ2 und Zoom iQ5/6/7 in Konkurrenz.

Es bietet einen Lightning-Anschluss zum Betrieb an aktuellen iOS-Geräten und ist sowohl mit dem iRig Recorder (mittlerweile in Version 2 erhältlich), als auch mit vielen Drittanbieter-Apps kompatibel. Somit kann das iRig Mic Field sowohl für Audio- als auch Videoaufnahmen eingesetzt werden. Dabei sind Aufnahmen sowohl hochkant, als auch im Landscape-Modus (was für Video zu bevorzugen ist) machbar, denn das Mikrofon lässt sich um 90 Grad am Lightning-Anschluss drehen.

Mit dem iRig Mic Field lassen sich dank eines speziellen A/D-Wandlers Stereoaufnahmen mit 44.1 und 48kHz Samplerate mit 24bit Auflösung erstellen. Die beiden Elektret-Kondensatorkapseln bieten Nierencharakteristik und verarbeiten Schalldruckpegel bis 115dB. Der verbaute, hochauflösende Mikrofonvorverstärker soll laut IK Multimedia ein niedriges Grundrauschen bieten. Ein eingebauter Gain-Regler nebst mehrfarbiger LED ermöglicht eine präzise Aussteuerung der Aufnahme. Der Miniklinkenanschluss ermöglicht das direkte Abhören mit Ohrstöpseln oder Kopfhörer.

Technische Daten

Die technischen Daten des iRig Mic Field laut IK Multimedia:

  • Digitales Stereo Field-Recording Mikrofon
  • Wandlertyp: Kondensator, Elektret
  • Richtcharakteristik: Niere
  • Kapselanordnung: Nahes ORTF
  • Max SPL: 115dB SPL
  • Frequenzbereich: 40Hz – 20kHz
  • Auflösung & Samplerate: 24 bit, 44.1KHz und 48KHz
  • Gain-Bereich: 48dB
  • Stromversorgung: Über das iOS Gerät
  • Anschluss: Lightning-Anschluss
  • Rotationssystem: 90° für optimale Audio/Video Positionierung, rastet ein
  • Bedienelemente: Gain-Daumenrad und mehrfarbiger LED Indikator
  • Audio-Anschlüsse: 3,5mm Kopfhörerausgang

Systemvoraussetzungen

Als Betriebssystem wird mindestens iOS 6.0 vorausgesetzt. Da ein Lightning-Anschluss benötigt wird, sind folgende Geräte mit dem iRig Mic Field kompatibel:

  • iPhone 6 Plus
  • iPhone 6
  • iPhone 5s
  • iPhone 5c
  • iPhone 5
  • iPod touch 5te Generation
  • iPad Air 2
  • iPad mini 3
  • iPad Air
  • iPad mini 2
  • iPad 4te Generation
  • iPad mini

Lieferumfang

In der Verpackung befindet sich neben dem iRig Mic Field lediglich eine Schutzhülle aus Neopren mit Klettverschluss, sowie eine bebilderte Kurzanleitung zur Inbetriebnahme, Registrierung bei IK Multimedia und ein QR-Code für den direkten Link zu den passenden IK Multimedia Apps in Apples Appstore.

Was für die Außenaufnahmen (egal ob Video oder Field Recording) leider fehlt ist der notwendige Windschutz, idealerweise in Form eines Fellwindschutzes (DeadCat). Die oft von anderen Herstellern beigelegten Versionen aus Schaumstoff sind eh nur im Innenbereich nutzbar und eigentlich nur gegen Popplaute bei Sprachaufnahmen effektiv. Bleibt zu hoffen, dass IK Multimedia sehr bald optionales Zubehör anbietet.

Bis dahin muss man sich selbst behelfen, z.B. mit einem Überzieher von einem portablen Rekorder. Da gibt es ja jede Menge Auswahl und zahlreiche Hersteller wie Rycote, RedHead Windscreens, FurryHead Windscreens, usw. Hier gilt es lediglich die Maße abzugleichen. Wir haben sowohl von FurryHead, als auch ReadHead einen Windschutz für den Zoom H1 am iRig Mic Field probiert und diese sitzen fest genug auf dem Mikrofon. Lediglich die Kopfhörerbuchse zum Abhören, ist dann nicht mehr nutzbar, auch die Status-LED ist nicht mehr ablesbar.

Das iRig Mic Field fürs Field Recording mit iPhone und Co

Durch seine kompakte – es ist verdammt flach – und äußerst leichte Gehäuseform ist es ziemlich portabel und verschwindet, gut geschützt durch die mitgelieferte Neopren-Schutzhülle, in der Hosentasche. Das Smartphone hat der geneigte Benutzer eh immer mit dabei.

Der für Field Recordings oft notwendige Windschutz ist – wie oben bereits erwähnt – nicht dabei, wer sich anderweitig damit versorgt hat, kann sich auch gleich nach der Installation der iRecorder 2 App direkt in die freie Wildbahn begeben.

Eine Schutzhülle muss vor Inbetriebnahme vom Gerät entfernt werden, da der Stecker des Mikrofons sonst nicht einrastet. IK Multimedia hat seinem Mikrofon leider keine Klammer zur Stabilität am iOS-Gerät spendiert, sodass die Konstruktion etwas wackelig wird und man doch etwas Angst bekommt, dass der ziemlich dünne Lightning-Stecker abbricht. Dies ist uns während der Tests jedoch nicht passiert.

Ein Kopfhörer mit all zu schwerem Kopfhörerkabel (z.B. Wendelkabel) und dickem Stecker sollte auch nicht am iRig Mic Field angeschlossen, da die Konstruktion dann doch sehr wackelig wird. Ein paar Apple Ohrhörer sind da dann doch die bessere Wahl, da sie ein wesentlich dünneres, leichteres Anschlusskabel haben.

iRig Recorder 2

Ein großes Manko mussten wir leider feststellen: Es war keine Aufnahme mit 48kHz und 24bit möglich. Alle exportieren Dateien wurden mit 44.1kHz Samplerate und 16 bit erstellt. Zunächst vermuteten wir einen Fehler in den Einstellungen, jedoch waren nirgends Einstellungen hinsichtlich   der Aufnahmequalität in der App möglich. Der IK Multimedia Support antwortete schnell und teilte uns mit, dass diese Funktionen in einem Update „in Naher Zukunft“ (Zitat IKM) nachgeliefert werden.

Ansonsten funktionierte die App wie erwartet und bot ansonsten gegenüber der ersten Version neben eine optischen Auffrischung endlich wieder einen digitalen Gain-Regler in der App, der während der Aufnahme direkt nutzbar ist. Dieser wurde in der letzten Version vom Vorgänger in die Tiefen des Menüs verbannt. Die App lief während unserer Tests stabil.

Grundlegendes Editing nach der Aufnahme, wie Schneiden, oder verändern der Lautstärke, konnte einfach und schnell erledigt werden.

Praxis

Die Inbetriebnahme des iRig Mic Field war schnell erledigt: Mikrofon auspacken, an das iOS-Gerät stecken, iRig Recorder 2 aus dem App Store laden, App starten. Mehr ist an Vorarbeit auch nicht notwendig. Schnell lassen sich erste Aufnahmen wie z.B. mit dem erstellen.

Neben dem oben bereits erwähnten Manko bezüglich der Auflösung und Samplerate, stellten wir während unserer Tests leider einige weitere Probleme in der Nutzung des iRig Mic Field fest, die die Ergebnisse stark beeinträchtigten. Das schwarze Plastikgehäuse überträgt nicht nur Handhabungsgeräusche direkt am Mikrofon, welche man während der Aufnahme vermeiden kann, sondern auch solche vom iOS-Gerät selbst. Beim iPad etwas weniger, beim iPhone etwas mehr.

Insgesamt wirkt durch die nicht unterstützte Montate am dünnen Lightning-Anschluss ziemlich wackelig. RØDE hat seinem i-XY daher schon seinem ersten Modell eine spezielle Halteklammer zur Unterstützung spendiert (diese wurde im i-XY Lightning dann integriert). Dies gibt dem Ganzen wesentlich mehr Stabilität, insbesondere fürs Field Recording.

Der Preamp ist trotz seiner 48dB recht schwach auf der Brust und selbst laute Umgebungen waren selbst mit voll aufgedrehtem Gain-Regler eher leise im Pegel. Das Stereobild wirkt nicht klar aufgelöst, ist nicht besonders breit oder gar separiert. Dies mag an der Variante der Mikrofonanordnung liegen. IK Multimedia bezeichnet diese als „Near Coincident Pair“, was also frei übersetzt ein „nahes ORTF“ bedeuten soll.

Wer sich etwas auskennt weiß, dass es Vorgaben für die Anordnung der Mikrofone bei ORTF gibt. Die Kapseln müssen bei dieser Art der Äquivalenzstereofonie laut Vorgabe im 110° Winkel (Achswinkel) genau 17cm voneinander entfernt sein. Offiziell gibt es, ähnlich wie bei der Mikrofonierung mit großem und kleinem AB, keine  Alternative. IK Multimedia hätte hier vielleicht gut getan eine andere Anordnung wie z.B. XY zu wählen.

Beim Abhören der Aufnahmen stellten wir weiterhin einen leicht verfälschten Klang fest, der wohl auf einen eingeschränkten Frequenzgang der Kapseln zurückzuführen ist. IK Multimedia gibt diesen jedoch mit 40Hz – 20kHz an. Mangels Testkammer können wir die Herstellerangaben nicht überprüfen. Es mag sein, dass die Kapseln das volle Frequenzspektrum liefern, jedoch wird dieses nicht sauber weiterverarbeitet. Aufnahmen aus der hauseigenen Recorder-App, als auch Videos der Kamera-App von Apple lassen ein lebendiges Stereobild missen.

Weiterhin sind in allen Testaufnahmen mit iRig Recorder 2 digitale Störgeräusche enthalten, die punktuell auftreten. Diese sind auch in den Klangbeispielen zu hören. Eine monophone Aufnahme mit dem Vorgänger enthält keine Störgeräusche.

Sämtliche Abhörtests haben wir sowohl mit professionellen Studiomonitoren, als auch verschiedenen hochwertigen Kopfhörern gemacht, die wiederum an einem Audio-Interface betrieben wurden.

Dennoch ist nicht alles schlecht, wenn auch die negativen Aspekte für uns zunächst überwiegen. Lässt man sich darauf ein ein günstiges, portables Stereomikrofon für iPhone und Co. mit leichten, klanglichen Einschränkungen zu besitzen, dass den Mono-Sound vom eingebauten Mikrofon ersetzen soll, so wird man in jedem Falle eine Aufwertung erzielen.

Video

In unserem Unboxing-Video packen wir das iRig Mic Field für euch aus, für einen ersten Eindruck. Zum Zeitpunkt der Aufnahme (vor Verkaufsstart) war der neue iRig Recorder 2 noch nicht erhältlich. Die Vorgängerversion konnte noch keine Stereoaufnahmen erstellen.

Klangbeispiele

1. Natur Stereo (iRig Mic Field, iRig Recorder 2, RedHead Windscreen)

2. Natur Mono (iRig Mic Field, iRig Recorder 1, kein Windscreen)

 

Fazit

Wer erste Tonaufnahmen und Videos in Stereo machen will, oder seine Sprösslinge mit einer günstigen Lösung samt iPod hinaus in die Natur schicken möchte, dem können wir für solche Zwecke das iRig Mic Field empfehlen. Nicht jedoch dem ambitionierten Field Recordisten.

Es fällt uns schwer dieses Fazit zu ziehen. Fakt ist jedoch, dass der erste Wurf eines Field Recording Mikrofons für iOS-Geräte leider noch seine Kinderkrankheiten hat. Die Idee bzw. das Konzept ist gut, aber andere Hersteller haben es besser gemacht.

Zum ansonsten fairen Preis von rund 80 Euro, erhält man leider ein noch nicht ausgereiftes Produkt. Mit dem iRig Mic Field lassen sich leider keine professionelle Ergebnissen erzielen. Für den Einsteiger wäre es zu empfehlen, wenn die Kinderkrankheiten in der App (digitale Störgeräusche) beseitigt werden würden und ein Fellwindschutz beigelegt wird.

Plus

  • Preis
  • Idee
  • Bedienung
  • App

Minus

  • Fehlende Settings (48kHz/24bit)
  • Handhabungsgeräusche
  • Preamp
  • Stereobild
  • Frequenzgang
  • Fehlender Windschutz
  • Wackelige Gesamtkonstruktion
  • Gain-Regler am Mikrofon

Bewertung

Mit einem Schnitt von 16 von 30 Punkten, erhält das iRig Mic Field von uns leider nur die Note “Ausreichend“.

Lieferumfang:2 out of 5 stars (2,0 / 5)
Funktionsumfang:3 out of 5 stars (3,0 / 5)
Bedienung:4 out of 5 stars (4,0 / 5)
Verarbeitung:2 out of 5 stars (2,0 / 5)
Klangqualität:1 out of 5 stars (1,0 / 5)
Preis:3 out of 5 stars (3,0 / 5)
Durchschnitt:2.5 out of 5 stars (2,5 / 5)

Preis & Verfügbarkeit

Das IK Multimedia iRig Mic Field ist seit Januar zum Preis von 79,99 Euro im Fachhandel und online bei IK Multimedia erhältlich.

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Link

IK Multimedia: www.ikmultimedia.com

Sebastian-Thies Hinrichsen

Sebastian-Thies Hinrichsen

Gründer, Betreiber und Chefredakteur von FieldRecording.de. Zudem Field Recordist und offizielles Mitglied der Wildlife Sound Recording Society. Profi mit mehrjähriger Erfahrung in Sachen Musik, Klanggestaltung, Tontechnik und Field Recording.