Interview: Stuart Fowkes – Cities and Memory

FieldRecording.de konnte Stuart Fowkes, Gründer und Betreiber der Webseite „Cities and Memory“, für ein Interview gewinnen.

You can find the interview in English HERE.

Stuart Fowkes – Klangtourist und Sound Mapper „im Auftrag ihrer Majestät“

Der 35-jährige Engländer Stuart Fowkes betreibt, neben seinem Beruf als Head of Digital Communications an der Universität von Oxford, mit „Cities and Memory“ eine der wohl bekanntesten Webseiten zum Thema Sound Mapping im Internet.

FieldRecording.de: Stuart, wie und wann bist du zum Field Recording gekommen?

Ich mache Field Recordings seit etwas mehr als zehn Jahren. Ich bin über das Sampling für Musik dazu gekommen. Meine ehemalige Band, Sunnyvale Noise Subelement, verwendete eine Menge Samples in ihrer Musik, seien es offensichtliches Sampling wie Vocal Cutups vom Fernsehen bis hin zur Erstellung von Drum Hits und Synth Sounds durch Verzerrung und Manipulation von Field Recordings. Ich verbrachte Stunden damit im Internet nach Samples zu suchen, sampelte obskure Filme und so weiter, bevor ich nach einem Jahr dazu überging Aufnahmen im Feld zu machen um Umweltaufnahmen in einen musikalischen Kontext zu bringen.

Danach habe ich es mir zur Gewohnheit gemacht auf Reisen an verschiedensten Orten Field Recordings zu machen und eine kleine Datenbank zu erstellen. Meine letzte Band, Listing Ships, die einen nautischen Ansatz in all ihren Stücken, Kompositionen, Artworks und Titeln hatten, was bedeutete, an Locations wie Küsten und auf Inseln aufzunehmen und diese in die Musik wieder zu integrieren. Mit der Zeit interessierte ich mich immer mehr mit meiner Sammlung an Field Recordings anzustellen und etwas zu machen das, in musikalischer Hinsicht, mehr als nur Aufnahmen in einen Song Context zu stecken.

Ich experimentierte mit der Erstellung neuer Sounds aus Field Recording über viele Jahre und es fühlte sich wie der richtige Zeitpunkt an, um das alles in etwas mit einer klaren Vision zu wandeln. Ich habe mich dem Field Recording immer von einem musikalischen und kompositorischen Kontext genähert, was wohl gut erklärt woher die ursprüngliche Idee für Cities and Memory und mein Gesamtkonzept her kommen.

FieldRecording.de: Welches Equipment besitzt du aktuell?

Vergleichsweise ziemlich einfaches Zeug. Ich benutze meist einen Zoom H4N Portable Recorder, der mir ausreichend gute Ergebnisse liefert und, wichtig, sehr handlich und leicht überall mit hin zu nehmen ist. Also sobald ich einen interessanten Klang höre, kann ich ihn aufnehmen. Ich habe auch JRF (Jez Riley French) D-Series Hydrophone für Unterwasseraufnahmen und Coil Pickup Mikrofone. Wenn ich meinen Recorder nicht mit dabei habe, fange ich auch mal Klänge mit meinem Handy ein, einige auch mit dem eingebauten Mikrofon von meinem Galaxy Note.

FieldRecording.de: Welche Erfahrungen hast du mit verschiedenstem Equipment gemacht?

Früher hatte ich einen Edirol R-09, der ganz OK war aber sehr limitiert und ich hoffe nächstes Jahr auf so etwas wie einen Zoom H6 upzugraden.

FieldRecording.de: Wie bearbeitest du deine Aufnahmen und welche Tools nutzt du dafür?

Wenn wir eher vom Editing von Field Recordings sprechen, als von neu interpretierten oder Remis-Versionen, dann benutze ich meist Audacity zum Trimmen, Editieren, Komprimieren und Normalisieren und manchmal benutze ich auch Reader wenn ich eine Komposition aus mehreren Clips produzieren muss. Ich versuche so wenig wie möglich was über Reinigen, Putzen und Normalisieren hinaus geht zu tun, weil die Field Recordings wie echte Tondokumente sein sollen, aber manchmal muss ich welche miteinander kombinieren oder weiterführendes Editing betreiben.

Wenn wir von neu interpretierten Versionen sprechen, dann geht alles! Live Instrumente, Tracker, VSTs, MIDI Synthesizer, verschiedene Klangwerkzeuge – alles um die gewünschten Ergebnisse zu erzielen.

FieldRecording.de: Welche Art von Field Recordings findest du am besten? Originale, dokumentarische Field Recordings, oder künstlerische Klangcollagen?

Ich denke das kommt darauf an. Für mich geht es um Field Recordings die ein Gefühl von Raum und Zeit erfassen, oder die mich in einer überzeugenden und einzigartigen Weise an einen anderen Ort mitnehmen. Ein gutes Field Recording hat für mich eine transportiere Qualität, die einem das Gefühl vermittelt, etwas von der einzigartigen Essenz dieses Ortes erlebt zu haben. Ich fühle mich auch angezogen von die zu einem ganz besonderen Zeitpunkt entstanden sind, wie zum Beispiel ein Ort zu genau der Zeit geklungen hat, da Orte sich in Klang wie in Aussehen verändern können. Zu archivieren wie unsere Städte und Länder geklungen haben ist genauso wichtig wie visuelle Aufzeichnung.

Wie ich bereits erwähnte, da ich von einem musikalischen Hintergrund komme, interessierte mich die Idee etwas interessantes mit einem Field Recording anzustellen generell mehr als der dokumentarische Aspekt, im Bezug auf was ich am liebsten höre.

FieldRecording.de: Hast du irgendwelche Vorbilder in Sachen Field Recording?

Ich sage absichtlich nicht Chris Watson, denn jeder sagt Chris Watson! Ich mag besonders die Arbeit von Simon Scott – z.B. sein Album „Below Sea Level“ funktioniert als Field Recording Dokumentation seiner Umgebung in den englischen Morgen und als schönes Ambient Album (http://www.12k.com/index.php/site/releases/below_sea_level/). Es ist eine meisterhafte Mischung aus beidem und auch sehr kunstvoll verpackt – in der Tat ist vieles was 12K heraus bringt sehr interessant und vieles von dem ist Field Recording zugehörig. Mir hat auch „Postcards from Italy“ (http://www.archivioitalianopaesaggisonori.it/archivio/postcards-from-italy) gefallen, in dem Teilnehmer gebeten wurden Field Recording in ihrer jeweiligen Umgebung aufzunehmen, die dann in der Gruppe zur Nachbearbeitung und Verarbeitung.

FieldRecording.de: Welche Field Recordisten oder Klangkünstler hörst du aktuell bzw. am liebsten?

Stuart Dempsters Aufnahmen in Räumen mit diesen enormen Reverbs sind wundervoll, fast außerirdisch und bedürfen wiederholtes Anhören. Was andere, musikalische Künstler angeht reizen mich Eluvium, William Basinski, Star of the Lid, Barn Owl, Benge, Aix Em, Klemm, Cluster und viele andere.

FieldRecording.de: Wie und wann kam es zu der Idee für Cities & Memory?

Die kam durch mehrere Dinge die fast simultan passierten. Zuallererst während meiner Experimente mit Field Recordings interessierte mich die Kreation von Klängen von Orten die vielleicht nicht existierten, aber so wie mögliche Klanglandschaften klingen, wenn man sie anhört. Zum Beispiel wenn man Vogelgesang aus einem englischen Garten mit Sounds vom Großen Basar in Istanbul mischt, kann dieser Ort zwar nicht existieren aber es entsteht eine neue akustische Umgebung.

Zur selben Zeit las ich Italo Calvinos Meisterwerk „Invisible Cities“, in welchem der Forscher Marco Polo Kuba Kahn (Mongolischer Herrscher) fantastische Geschichten von fernen Städten erzählt, die er besuchte. Im Verlauf der Zeit wird klar, dass er einfach seine Heimatstadt Venedig in verschiedenen Weisen und von verschiedenen Perspektiven aus beschreibt. Das Wesen eines Ortes ist nicht festgelegt, hängt aber von der Perspektive eines jeden ab. Tatsächlich entstammt der Name „Cities and Memory“ aus einem Abschnitt des Buches. So kombinierte ich diese beiden Ideen und Perspektiven, und die Idee für Cities and Memory war fokussiert.

FieldRecording.de: Wie bist du auf das Thema Sound Mapping aufmerksam geworden und warum war für dich klar, dass Cities & Memory ein Sound Mapping Projekt wird?

Ich war schon immer fasziniert von Kartografie und Karten im Allgemeinen und wie sie zwangsläufig eine subjektive Sicht auf die Welt präsentieren. Sound Mapping ist besonders interessant und ich wusste von Anfang an, dass es zu jedem meiner Klangprojekte die ich unternahm ein Element der Kartografie geben wird. Die Frage war nur wie man mal etwas anderes anbieten könnte, im Hinblick auf den Wildwuchs and Sound Maps da draußen, von den umfangreichen, globalen Bemühungen von Aporee, über City Sound Maps vis hin zu Sound Maps die sich auf Themen wie Reisen usw. ausgerichtet haben. Mir war auch klar, dass ich nicht hoffen konnte etwas in der schieren Größe von Aporee, oder dem aktuellen British Library UK Sound Mapping Project zu produzieren. Also was immer ich tat, es musste etwas Neues in die Runde bringen, oder es würde wenig Sinn haben.

FieldRecording.de: Was macht Sound Mapping so interessant?

Ich denke es ist die Kombination auf elementarster Ebene von Ort und Klang. Man kann Google Maps, Flickr oder andere Wege beschreiten, um zu sehen wie ein Ort ausieht. Eine Karte als einen ersten Eintrittspunkt zu benutzen, nehmen wir es mal als ein grundlegende Information, aber mit Hilfe dieser Kartenoberfläche zu hören wie ein Ort klingt hat immer noch die Fähigkeit im Hinblick darauf zu überraschen wie umfassend das Erlebnis sein kann. Wir können sehen wie ein Ort aussieht, aber niemand erklärt oder zeigt uns wirklich wie ein Ort klingt, dabei kann man eine Menge des Charakters eines Ortes aus dem Hörerlebnis bekommen. Und natürlich durch die Darstellung von Cities and Memory auf einer globalen karte, habe ich die implizite Herausforderung diese mit Klängen abzudecken, wofür ich eine Klangreise um die ganze Welt beginnen musste, natürlich mit Hilfe von vielen Mitarbeitern.

FieldRecording.de: Wofür steht Cities & Memory?

Ich denke Cities and Memory repräsentiert einen Ort, wo jeder, der Interesse daran hat, wie ihre Welt klingt, diese entdecken und erforschen kann. Was mich mich reizt sind die unendlichen Möglichkeiten – verschiedene Orte klingen völlig anders abhängig von der Tageszeit und zwei Klangkünstler ein und die selbe Klangquelle auf verschiedene Weise remixen, also ein endloser Strom von Phantasie Klang, der daraus entstehen könnte. Cities and Memory ist ein Ort wo Leute ihre eigene Umgebung erkunden können, um sowohl darüber nachzudenken, wie sie klingt und wie sie möglicherweise klingen könnte, aber auch um die Klänge der Welt zu erkunden, sowohl ungefiltert, als auch durch die Phantasie von anderen gefiltert.

FieldRecording.de: Was war deine erste Stadt auf der Soundmap?

Passenderweise kam der erste Klang aus Oxford, England – wo ich wohne – obwohl es anderswo noch nicht systematisch und klanglich kartiert war. Die Sounds sind auf der Karte hinzugefügt worden wie sie reinkamen und ich bin wirklich glücklich innerhalb der ersten zehn Monate des laufenden Projektes 20 Länder auf der Karte erhalten zu haben, sowie einen stetigen Strom von neuen Mitarbeitern und Kollegen. Der allererste Klang war übrigens eine der Enten auf dem Fluss und ein Zug der über die Themse fuhr.

FieldRecording.de: Wie wählst du deine Orte für ein neues Projekt aus?

Eine Mischung aus dem praktischen (Kann ich einfach selbst dorthin?) und dem klanglichen (wie wird die Stadt klingen? Hat sie einzigartige, klanglichen Features, die ich woanders nicht hören könnte?). Forschungsarbeit vorab hilft mir bei der Einschätzung welche Plätze klanglich interessant sein könnten, worauf ich eine Vorauswahl erstelle, auf die ich mich beziehe, so wie zum Beispiel bei meinem aktuellsten Projekt #Hamburgsounds.

FieldRecording.de: Planst du Field Recoding Trips immer, oder bist du auch einmal spontan unterwegs?

Größtenteils für ich nicht systematisch Orte oder Städte umfassend hinzu – Ich arbeite mich auch meinen Katalog an Klängen, wenn die Inspiration für eine neu interpretierte Version streikt. Ich könnte zum Beispiel eines Tages eine Idee haben was ich mit einem Sound von Milan mache und am nächsten Tag nach Los Angeles oder London reisen. Es ist abhängig vom Klang, nicht dem Ort. Hinzu kommt, dass einen regelmäßigen Fluss von neuen Field Recordings und neue geremixte Sounds aus der ganzen Welt gibt und ich habe keine Ahnung, von wo die nächsten kommen werden! Dennoch, alle paar Monate plane ich gerne mal einen Trip zur Klangsammlung an einen bestimmten Ort, um den Katalog an Field Recordings aufzustocken, oder einen neuen Ort zur globalen Soundmap von Cities and Memory hinzuzufügen.

FieldRecording.de: Wer ist alles an dem Projekt beteiligt?

Es ist eine völlig offener Projekt, was bedeutet, dass Field Recordisten, Klangkünstler, Musiker oder jemand mit Interesse an Klängen teilnehmen kann, wo immer sie auf der Welt sind. Einige Leute schicken Töne paarweise (ein Field Recording und ihre eigene Neuinterpretation). Andere bevorzugen es, ein Field Recording zu schicken von wo sie wohnen, möchten aber, dass andere es remixen. Und andere wiederum haben keine Field Recordings anzubieten, wollen aber mit einem Sound aus unserem Katalog experimentieren. Also eigentlich gibt es drei Möglichkeiten für Menschen, sich aktiv einzubringen – in diesem Jahr haben bisher mehr als 50 Menschen Sounds oder Remixe auf der Karte beigesteuert.

FieldRecording.de: Du betreibst Cities & Memory nebenbei?

Ja, im Moment ist Cities and Memory ein freiwilliges Projekt, dass außerhalb meines Arbeitsalltags führe. Wenn ich einen Weg herausfinde davon zu leben, würde ich das liebend gern tun!

FieldRecording.de: Kennst du die Field Recordisten und Remixer und um was für Leute handelt es sich?

Ein paar von ihnen kannte ich schon vorher persönlich, und mit vielen anderen wurde ich durch Cities and Memory befreundet – es öffnete mir eine Welt voller freundlicher, inspirierender Klang-Kollaborateure. Diese zeigte sich vor allem bei der Umsetzung des #Hamburgsounds Projektes, wo ich auch bisherige Cities and Memory Mitwirkende fragte, ob sie daran teilnehmen wollten – 90% von ihnen waren sehr erfreut beim Projekt mitzumischen. Ich traf auch einige Mitwirkende und Field Recording Kollegen auf meinen Reisen – so auch dich, Sebastian! – was ein tolles Erlebnis war. Ich glaube nicht, dass es etwas Spezifisches gibt, dass Menschen gemeinsam haben, außer einer Neugier für Klang und die Bereitschaft, sich der Dinge aus einem neuen Blickwinkel zu nähern und offen zu sein für die vielen Möglichkeiten die Klang zu bieten hat.

FieldRecording.de: Wieviel Zeit bleibt da noch für Field Recordings z.B. in der Natur?

Nicht so viel, wie ich eigentlich möchte! Die meisten der Aufnahmen habe ich selbst gemacht habe, sind in der Regel von städtischen Umgebungen, aber ich würde wirklich gerne mehr Naturaufnahmen im Projekt sehen. Ich neige dazu Aufnahmen einzufangen, wo immer ich kann, wo immer ich gerade bin und durch diese Umstände sind diese größtenteils städtisch. Ich frage mich auch, ob der Name Cities and Memory Mitwirkenden glaube glauben lässt, dass ich nur an städtischen Klanglandschaften interessiert bin – weit gefehlt! Wenn du dies hier list und auf auf einer Bank voll von großartigen Naturaufnahmen sitzt, bitte sende sie an mich!

FieldRecording.de: Du warst im Oktober in Hamburg für das neueste Projekt „One day in the live of Hamburg“ („Ein Tag im Leben von Hamburg“). Ich hatte die Ehre dich am ersten Tag begleiten zu können. Erkläre bitte doch noch einmal für die Leser, wie du auf Hamburg kamst, wie du dich vorbereitet hast und wie du Hamburg (klanglich) erlebt hast.

Die Ehre war ganz meinerseits! Das Projekt beinhaltete mehrere Tage in einer Stadt zu verbringen, ihre Klänge zu kartieren, so detailliert wie ich konnte, dann die verschiedenen Sounds Leuten überall auf der Welt anzubieten, um diese neu zu ihren eigenen Bedingungen erfinden und neu zu interpretieren und schließlich die Ergebnisse über 24 Stunden zu veröffentlichen, um einen Tag im Leben einer Stadt zu repräsentieren. Ich entschied mich für Hamburg weil es die meisten meiner groben Kriterien für das Projekt erfüllte – eine große, interessante Stadt, bekannt für viele Dinge die wiederum eine breite Variante an Sounds für mich bot. Ich wollte zudem eine Stadt mit Geschichte und Erbe – was wichtig war bei der Prüfung und Reflexion des „Memory“-Elements vom Projekt.

Für mich persönlich, war eine Stadt mit maritimen Erbe wichtig, da ich die Klänge von See und Schiffen liebe — und es half auch das Hamburg es einem für eine große Stadt ziemlich einfach macht herum zu kommen, mit ausgezeichneten Verkehrsnetzen und so weiter. Einige idealistische Kriterien und einige langweilige aber praktische dazu! Ich bereitete mich durch das Lesen über die Stadt, das Lernen der Geschichte (und Geografie) vor und machte eine grobe Liste der Orte, von denen ich wusste, dass ich sie auf jeden Fall aufnehmen will, sowie Orte von denen ich dachte sie könnten interessant sein, aber ausreichend Flexibilität in meinem Reiseplan ließen, um frei zu erkunden und um dem Zufall eine Chance zu geben. Ich notierte in einem Post auf meinem Blog, wie ich mir die Erfahrung der Kartografierung von Hamburg vorstellte, bevor ich abreiste: (http://citiesandmemory.com/2014/10/sound-map-city-part-one/). Und reflektierte darüber in diesem Post, als ich wieder zurück kam: (http://citiesandmemory.com/2014/10/sound-map-city-part-two/).

Es war eine große Hilfe und eine großartige Vorstellung der Stadt, den ersten Abend mit Sebastian von FieldRecording.de verbringen – die Perspektive eines kollegialen Field Recordisten zu erhalten wie die Stadt klingt war von unschätzbarem Wert (aus diesem Grund habe ich nicht die klanglich matte Speicherstadt erkundet, dafür aber zum Beispiel exzellente Sounds im Alten Elbtunnel und am Baumwall eingefangen) und es war eine Menge Spaß miteinander Zeit zu verbringen, zusammen aufzunehmen und Perspektiven beim anschließenden Abendessen zu teilen.

Im Hinblick darauf wie Hamburg klingt – wie man es wohl erwarten könnte, ist es ein äußerst abwechslungsreicher Ort. Große Teile davon, wie wohl in jeder größeren Stadt, sind nicht interessant anzuhören, während man wie ein Landstreicher durch die Umgebung umherstreift, aber es gab einige erstaunliche Highlights. Um nur einige zu nennen: Die schöne Orgel in der Sankt Michaelis Kirche; die klassischen Klänge von Schiffen im Hafen; die erstaunliche Schiffsbegrüßungsanlage Willkomm Höft, die Schiffe grüßt, wenn sie nach Hamburg einlaufen und wenn sie Hamburg wieder verlassen; das Nachtleben von Sankt Pauli; politische Proteste in der Neustadt und der unterirdische Hall des Alten Elbtunnels unter der Elbe. Eine schöne Stadt!

FieldRecording.de: Hast du schon konkrete Pläne oder Ideen für weitere (Stadt-) Projekte?

Ich denke, es wird sicher ein weiteres, “offizielles“ Aufnahme-Projekt, irgendwann nächstes Jahr geben, aber ich habe noch keinen Ort in Betracht gezogen, wir schauen mal in 2015. Ich verbringe auch eine Menge Zeit in Norditalien, wo meine Freundin herkommt, also habe ich mich etwas auf Sounds aus diesem erstaunlichen Land konzentriert – es hat die meisten kartierten Sounds, gleich hinter Großbritannien (und jetzt Deutschland). Venedig ist auch das pulsierende Herz von Cities and Memory aus mehreren Gründen: Erstens, wegen Calvino (siehe oben), aber auch weil ich dort sehr viel Zeit verbracht habe und weil es ist eine meiner Dauerfavoriten ist mit einer einzigartigen klanglichen Umgebung. Ungewöhnlich ist, so einzigartig wie Venedig zu betrachten ist, so einzigartig klingt es auch, völlig anders als anderswo.

FieldRecording.de: Hast du irgendwelche Tips oder Tricks für neue Field Recordisten?

Ich schrieb sogar einen Beitrag darüber auf meiner Seite! (http://citiesandmemory.com/2014/03/ten-top-simple-field-recording-tips/)

Der Beitrag deckt meine grundlegenden, technischen Tipps ab, aber ich denke, wenn man am Anfang ist, gibt es eine Tendenz zu glauben, dass alles was man aufgenommen hat, ist absoluter Goldstaub und die beste Sache überhaupt, so dass man los rennt und alles an Field Recording Klischees aufnimmt, wie es im Buche steht, als wäre man die erste Person überhaupt, die das tut: Bahnhöfe, Einkaufszentren, Flüsse, Wellen, usw. In gewisser Weise tun sie dies alles, um das Aufnehmen zu üben und „alles aus ihrem System herauszuholen“, aber die Fähigkeit von Editing und zu wissen was man herauspickt, was einzigartig ist und wirklich wirklich den Geist oder das Wesen eines Ortes einfängt, ist was man geschliffen bekommen und gelernt werden muss.

FieldRecording.de: Eine letzte Frage: Wie hat Field Recording dein Leben und das Hören beeinflusst?

Enorm. Fotografen reden darüber wie das Schießen von Fotos die Sichtweise auf die Welt verändert – Für Field Recordisten gilt das gleiche für Klänge. Es ändert wie man hört und daher wie man die Welt erlebt. Ich höre immer dabei nach Nachhall, Echos, Naturgeräuschen, ungewöhnliche Dinge in der Klangumgebung, um dabei Dinge zu bemerken, die die meisten Leute einfach nicht erkennen. Es macht mich zu einem Klangtouristen, wo immer ich hingehe kann immer etwas in jeder Unmgebung zu schätzen wissen, vom weltlichen und alltäglichen bis zum spektakulären und neuartigen. Mein Gehör ist allerdings schon von den Jahren als Bassist in lauten Bands ruiniert, so dass es nicht mein Gehör betroffen hat, sondern sondern die Art wie ich höre.

FieldRecording.de: Vielen Dank, dass du dir Zeit genommen hast unsere Fragen zu beantworten. Wir wünschen dir alles Gute und weiterhin viel Erfolg mit Cities and Memory!

Danke das du sie gestellt hast. Ich hoffe, die Leute da draußen fanden die Antworten interessant und ich würde mich sehr freuen, mit jedem deiner Leser, der es möchte, mich darüber auszutauschen. Wenn sie Kontakt mir mir aufnehmen wollen: http://citiesandmemory.com/submit-your-sounds-contact-us/

Links:

Cities and Memory: www.citiesandmemory.com

Mit Cities and Memory auf Field Recording Tour durch Hamburg

Sebastian-Thies Hinrichsen

Sebastian-Thies Hinrichsen

Gründer, Betreiber und Chefredakteur von FieldRecording.de. Zudem Field Recordist und offizielles Mitglied der Wildlife Sound Recording Society. Profi mit mehrjähriger Erfahrung in Sachen Musik, Klanggestaltung, Tontechnik und Field Recording.