Mit Cities & Memory auf Field Recording Tour durch Hamburg

Cities & Memory Gründer Stuart Fowkes aus Oxford (England, Großbritannien), besuchte Anfang Oktober das herbstliche Hamburg, um mit Hilfe von Field Recordings einen ganzen Tag im Leben der Hansestadt Hamburg klanglich festzuhalten. FieldRecording.de Chefredakteur Sebastian-Thies Hinrichsen hat ihn für einen Abend begleitet und tatkräftig unterstützt. Dies ist sein persönlicher Bericht.

Cities & Memory – Mapping the real and imagined sounds of the world

Cities & Memory ist ein Field Recording Projekt, dass sowohl die Realität eines Orts und sein imaginiertes, alternatives Gegenstück darstellt. Das Motto: „Remixing the world“. Jedes gewissenhaft aufgezeichnete Field Recording wird von einer Nachbearbeitung, Veredelung oder Interpretation begleitet, die Ort und Zeit völlig anders und irgendwie neu darstellt. Der Zuhörer kann wählen, ob er die Location durch ihren aktuellen Sound entdeckt, oder ihre Interpretationen, wie diese Orte klingen könnten – oder zwischen beiden Welten nach Belieben wechseln.

Das Projekt ist komplett offen für Einsendungen von Field Recordisten, Musikern und allen, die daran interessiert sind Klänge weltweit zu erforschen.

Das Treffen

Für die Aufnahmen hat Stuart, bei akribischen Planung, vier Tage eingeplant. Es sollte sein erster Besuch in Hamburg werden. Hierzu informierte er sich ausgiebig über Sehenswürdigkeiten und spezielle Orte, die wiederum Potential für spezielle Klänge bergen könnten. Die Aufnahmen sollen anschließend 24 Remix-Teilnehmern zur Verfügung gestellt werden, die ihre eigenen Interpretationen der Orte erstellen.

Hierbei halfen ihm vorab Kontakte in der Hansestadt, zu denen u.a. auch ich gehörte. Ich kannte das Projekt Cities & Memory von meinen schon seit Jahren laufenden Recherchen zum Thema Field Recording. Da ich selber in Hamburg wohne und mich auch schon eine Weile mit der Suche nach geeigneten Locations für Klangportraits in und um Hamburg beschäftige, bot ich Stuart meine Hilfe an und nahm Kontakt zu ihm über Facebook auf. Kurze Zeit später tauschten wir uns schon über seine Pläne aus und ich lieferte ihm eine Liste an möglichen Locations, die ich teilweise schon durch eigene Aufnahmen kannte und die unter Umständen für Hamburg typische Klänge liefern könnten.

Im Laufe unserer Konversationen bot mir Stuart an, ihn bei seinen Aufnahmen zu begleiten, natürlich auch um selbst die Chance für ein paar Field Recordings zu bekommen. Wir verabredeten uns für Montagabend.

Der erste Tag in Hamburg

Das Treffen fand im niemals wirklichen schlafenden Stadtteil St. Pauli statt. Ich holte Stuart direkt bei seiner Unterkunft in einer der Seitenstraßen von Hamburgs sündiger Meile ab. Im Gepäck hatte ich eine Auswahl an Field Recording Equipment, um für alle Situationen gerüstet zu sein. Stuart hatte für seine Erkundungen in der fremden Stadt seinen äußerst portablen Zoom H4N Rekorder dabei, nebst Fell-Windschutz für die eingebauten Mikrofone, Kopfhörer und einem Set Hydrophone von Jez Riley French. Mit dem H4N hat Stuart schon so einige Städte klanglich festgehalten.

Wir besprachen uns kurz welche der von mir empfohlenen Locations wir als erstes anfahren wollen. Dabei nahm Stuart mangels Mietwagen gern an die etwas entfernteren Orte anzufahren. Locations rund um die bekannten Landungsbrücken, Reeperbahn und Innenstadt konnte Stuart in den nächsten Tagen auch prima ohne Auto schnell erreichen.

So war unser erstes Ziel der Elbstrand in Övelgönne. Kurze Zeit später angekommen ging es auch gleich direkt an den Strand.

Der Elbstrand

Ein frischer Herbstwind wehte uns um die Ohren als wir den vom letzten Regen noch feuchten Sand betraten. Im Cafe Strandperle saßen Leute und genossen bei Tee und Bier den Blick auf die Elbe, auf der ab und ein eine Barkasse oder ein Containerschiff vorbei fuhr. Wir nahmen unser Equipment in Betrieb. Während ich direkt am Wasser die Atmo einfing, wählte Stuart unterschiedliche Positionen am Stand aus. Auch nutzte er das mitgebrachte JrF Hydrophon aus um den Unterwasserklang der Elbe festzuhalten.

Es muss wohl fast eine Stunde später gewesen sein, als wir uns dann wieder aufmachen wollten. Wir nahmen noch kurz die Atmo von Teller- und Tassengeklimpere des Strandcafes mit und begaben uns über den steilen Weg nach oben wieder zum geparkten Auto.

Auf zum Alten Elbtunnel

Wieder eine kurze Absprache und wir machten uns auf zum Containerhafen, wo wir über die Köhlbrandbrücke mit toller Aussicht auf den ganzen Hafen zum Alten Elbtunnel fuhren. Auf dem Weg dorthin hatte Stuart den Halt an einer Schranke die Chance genutzt und den vorbeifahrenden Güterzug aufgenommen. Am Alten Elbtunnel angekommen schnappten wir uns wieder unser Equipment und begaben uns, nachdem ich Stuart die antiquierten aber immer noch funktionierenden PKW-Aufzüge zeigte, n das Gebäude. Während Stuart über die Treppe nach unten gelangte,  bevorzugte ich den Personenaufzug.

 

Leider waren die PKW-Aufzüge bereits geschlossen. So fanden wir neben ziemlich lautem Lärm einer Belüftungsanlage und Stimmen keine interessanten, mechanischen Klänge vor. Dies hielt uns jedoch nicht davon ab eine Zeit in der Halle unten, sowie in einer der beiden Röhren zu verbringen in denen selbst am Abend noch jede Menge Fußgänger und Fahrradfahrer unterwegs waren. Auf dem Weg nach Oben nahmen wir beide noch einmal eine komplette Fahrt mit dem Aufzug auf. Diese verlief aber recht ruhig und wurde durch Gegröhle einer Schulklasse übertönt. Nur noch das Signal des Fahrstuhls ließ selbige Fahrt als eine mit einem Aufzug erkennen.

Wieder oben angekommen, zeigte ich Stuart noch einmal die sensationelle Aussicht vom südlichen Elbufer auf die Stadt. Von dort konnte man den Blick auf die Landungsbrücken, St. Pauli, den Michel und die Hafen City mit der endlich fast fertigen Elphilharmonie genießen.

Hafen City und knurrender Magen

Schlussendlich fuhren wir durch den Hafen Richtung Elbbrücken, um noch einmal einen Blick auf die Hafen City zu werfen, die klanglich leider nicht wirklich Interessantes zu bieten hat.

Zum Abschluss gab es noch ein köstliches Mahl am Jungfernstieg mit Burgern und Fritten. Denn so ein Field Recording Trip durch den Hafen macht hungrig.

Ich freue mich schon auf die Ergebnisse von Stuarts Tour durch Hamburg und kann mir sehr gut vorstellen bald einmal zum Gegenbesuch nach England zu kommen.

Stuarts Aufnahmen und die Remixe findet ihr ab 3. November auf seiner Seite Cities & Memory.

Meine Ergebnisse und gleichzeitig auch Beiträge für den Remix-Contest findet man auf SoundCloud:

Am 3. November wird es alle Aufnahmen, inklusive der Remixe, auf der Soundmap von Cities & Memory zu hören geben. Wir werden natürlich darüber berichten!

Links:

Cities & Memory: http://citiesandmemory.com

 

Sebastian-Thies Hinrichsen

Sebastian-Thies Hinrichsen

Gründer, Betreiber und Chefredakteur von FieldRecording.de. Zudem Field Recordist und offizielles Mitglied der Wildlife Sound Recording Society. Profi mit mehrjähriger Erfahrung in Sachen Musik, Klanggestaltung, Tontechnik und Field Recording.