Review: Triton Audio FetHead & FetHead Phantom In-Line Preamp

Jeder FieldRecordist oder sonst wie Audioschaffender ist sicherlich schon mal in dieser Situation gewesen: man möchte eine extrem leise Schallquelle aufzeichnen und stößt an die Grenzen seines Preamps. Das aufgezeichnete Signal erreicht einfach nicht den gewünschten Pegel oder, noch schlimmer, die Aufnahme versinkt im Rauschen. Was tun? Den lieb gewonnen Recorder gegen ein Gerät mit hochwertigeren Vorverstärkern austauschen? Oder gleich einen zusätzlichen, externen Preamp verwenden? Beides sinnvolle Lösungen, die jedoch einiges an Aufwand als auch eine größere Geldausgabe bedeuten. Es gibt jedoch noch eine weitere Alternative, die wir uns hier einmal näher anschauen: den FetHead, einen kleinen silbrigen Zylinder.

Der TritonAudio FeatHead

Dabei handelt es sich, genau wie bei seinem „Bruder“ FetHead Phantom, um einen In-Line Preamp; also einen zusätzlicher Verstärker im Signalweg. Die Anwendung ist denkbar einfach:er wird einfach in den Signalweg zwischen Mikrofon und vorhandenem Preamp bzw. Recorder gehängt. Dabei ist er nur ungefähr so groß wie ein XLR-Klinke Adapter (Länge: ca. 77mm) und fällt somit kaum störend auf.

Die Firma TritonAudio


Ich gebe zu: bevor ich vom FetHead erfahren habe, war mir der Name TritonAudio leider kein Begriff. Daher eine kleine Kurzinformation für die Leute, denen es ähnlich geht: TritonAudio ist ein kleines niederländisches Unternehmen, welches von Erwin Erkamp und Peter-Paul Wijte unter der Prämisse geführt wird, hochqualitative und handgefertige (!) High-End Produkte für Pro Audio User herzustellen. Die Produktpalette umfasst, neben diversen FetHead Varianten, weitere Vorverstärker und nützliche Tools. Nun, das hört sich doch sehr vielversprechend an.

Features:

  • Class A JFet Verstärker mit geringem Eigenrauschen
  • Großer Headroom
  • Lässt keine Phantomspeisung passieren umso evtl. anfällige und empfindliche Mikrofone (z.B. einige Bändchenmikrofone) zu schützen (nur FetHead)

Technische Daten (lt. Triton Audio)

  • 20dB Verstärkung (FetHead) bzw. 18dB Verstärkung (FetHead Phantom)
  • Übertragungsbereich 10Hz-100kHz (+/- 1dB) (FetHead) bzw. 20Hz-100kHz (+/-1dB) (FetHead Phantom)
  • Eingangsimpedanz: 22KOhm (FetHead) bzw. 1200Ohm (FetHead Phantom)

Lieferumfang

Die FetHeads werden in, mit Verpackungsschaumstoff ausgepolsterten, Papprollen ausgeliefert. Dazu gibt es ein zweiseitiges Faltblatt welches als Anleitung dient und die wichtigsten technischen Daten sowie ein Frequenzdiagramm aufführt. Ich war zunächst ein wenig verwundert ob der Schlichtheit der Verpackung, danach jedoch eigentlich sehr angetan denn ich musste mit keiner nervigen Blisterfolie kämpfen und hatte auch nie den Eindruck, dass hier gerade ein Berg unnötiger Verpackungsmüll entstanden ist.

Die Anleitung hätte für meinen Geschmack noch ein bisschen ausführlicher sein können und eventuell die technischen Hintergründe stärker beleuchten können; so tut sie jedoch ihren Dienst und dürfte auch keinen Anleitungsmuffel abschrecken.

Erster Überblick

Die Inbetriebnahme eines FetHeads is, wie bereits erwähnt, beinahe ein Kinderspiel; die Anleitung benötigt dafür gerade einmal EINEN Satz: der FetHead wird einfach in den Signalweg zwischen Mikrofon und Preamp eingeschliffen und mit Phantomspeisung versorgt – fertig. Und hier taucht der entscheidende Unterschied zwischen der „normalen“ und der „Phantom“ Variante auf: nur der FetHead Phantom leitet die Phantomspeisung an das angeschlossene Mikrofon weiter. Beim „normalen“ FetHead muss sich das Mikrofon, falls es denn Phantomspeisung benötigt, selbst versorgen bzw. über eine externe Spannungsversorgung verfügen.

Weiterhin empfiehlt TritonAudio, den FetHead direkt an das Mikrofon zu stecken um so das schon vorverstärkte Signal über das Kabel weiterzuleiten – eine sinnvolle Idee.

Rein optisch unterscheiden sich die beiden kleinen Helferlein übrigens nur durch einen anders beschrifteten Ring. Ansonsten schauen beide Varianten schlicht und dennoch sehr edel aus. Die Verarbeitung wirkt sehr sauber und solide; die XLR Anschlüsse sind für meinen Geschmack sogar schon etwas zu stramm. Der Ersteindruck stimmt also schon mal.

Praxis

Ich selbst befinde ich mich in einer ähnlichen Situation wie die, die ich eingangs erwähnte. Mein Tascam DR-100 Recorder leistet mir gute Dienste, aber seinen Preamps geht dann doch irgendwann die Luft bzw. sie beginnen recht früh zu rauschen. Mal schauen, ob der FetHead die Lage verbessern kann. Als erstes Testobjekt dient eine wirklich sehr leise tickende Wanduhr. Ich stelle ein Rode NT-4 Stereomikrofon in gut 10cm Abstand davor und verwende nur die Preamps des DR-100. Um überhaupt ein wahrnehmbares Eingangssignal zu erhalten muss ich diese komplett aufdrehen. Ergebnis: ich erhalte ein leises Ticken und jede Menge Rauschen. Eine eigentlich komplett unbrauchbare Aufnahme.

Dasselbe Setup habe ich nun um zwei FetHeads ergänzt und das NT-4 auf Batteriebetrieb umgestellt. Die Preamps sind nach wie vor komplett aufgedreht aber durch das zusätzlich verstärkte Nutzsignal erhält man ein Ergebnis, das man mit entsprechender Nachbearbeitung notfalls noch irgendwie verwenden kann.

Als nächster Test folgt ein kleiner Plastikwecker der deutlich lauter tickt – hier kann ich die Preamps des Recorders ein wenig zurückfahren, erhalte aber dennoch einen deutlich hörbaren Rauschteppich. Anders dann die Aufnahme mit FetHead: jetzt machen sich die rund 20dB an zusätzlicher Verstärkung deutlich bemerkbar und ich kann die Vorverstärker des DR-100 entlasten. Ergebnis: das Rauschen ist gering genug, so dass man in der Nachbearbeitung ein brauchbares Signal erhalten kann. Ich bin schon mal recht angetan.

Wie verhält sich dazu nun der FetHead Phantom? Deutlich anders, denn eine erste Testaufnahme mit demselben Setup zeigt einen wesentlich geringeren Signalgewinn; definitiv weniger als „nur“ die 3dB Unterschied, die es laut Datenblatt sein sollten. Da ich sowohl falsche Daten als auch einen defekten FetHead als Fehlerquelle ausschließe, fällt mein Verdacht auf die Phantomspeisung des DR-100. Eventuell ist diese zu schwach um sowohl den FetHead als auch das Rode NT-4 zu speisen.

Um meine Theorie zu überprüfen, hänge ich das Stereomikrofon an zwei Preamps eines RME Fireface UFX und verstärke einen der Eingänge zusätzlich mit einem FetHead Phantom. Als Klangquelle dient mir weißes Rauschen und, sollte meine Theorie stimmen, müsste ich nun den Preamp ohne FetHead ca. 18dB höher aussteuern damit beide Eingangssignale gleich laut sind. Tatsächlich ergeben sich allerdings nur ca. 10dB Unterschied zwischen den beiden Kanälen.

Um sicherzugehen, ersetze ich das Rode NT-4 durch ein Oktava MK012 und kann nun den FetHead auch direkt an das Mikrofon anschließen. Das Ergebnis ist besser, prinzipiell jedoch ähnlich: ich erhalte eine Signalverstärkung von ca. 12dB.


Auf Anfrage beim Hersteller ergab sich, dass das Impedanzverhalten vom Mikro zum FetHead bzw. vom FetHead zum Recorder die Verstärkung beeinflussen kann; je nach Setup kann es also zu wenigen dB Verlust kommen. Und tatsächlich: als ich als drittes Testmikrofon ein Rode NTG-2 anschließe, bewegt sich die Verstärkung um 13-14dB.

Der FetHead Phantom ist also von seinem Umfeld abhängig und bringt hier, je nach Setup, mal mehr oder mal etwas weniger Leistung. Eine Tatsache, die sich aber verschmerzen lassen sollte, wenn man bedenkt, dass sich der kleine Verstärker nur einen minimalen Anteil der Phantomspeisung abzweigt und damit trotzdem eine beachtliche und saubere Verstärkung schafft.

Was passiert aber nun, wenn der Recorder schon nicht ganz 48V Phantomspeisung liefert, der FetHead Phantom sich davon zusätzlich ein wenig abzwackt und das Mikrofon allerdings nun „zuwenig Saft“ bekommt? TritonAudio verweisen auf ihrer Webseite auf einen solchen Fall, bei dem ein User ein Rode NTG-2 zusammen mit einem FetHead Phantom nicht an einem Zoom H4N betreiben konnte. Für einen solchen Fall gibt es keine andere Lösung, als das Mikrofon mit einer anderen Phantomspeisung zu versorgen und dann (optimalerweise) einen normalen FetHead zu verwenden. Der „Phantom“ Variante ist also wirklich sehr setup-abhängig. Dennoch verrichtet er seinen Dienst genauso sauber wie sein „Bruder“.

Auf der Webseite von TritonAudio findet sich weiterhin eine interessante Zeile die aussagt, dass der FetHead beliebte dynamische Mikrofone wie das gute alte Shure SM57 oder das Sennheiser MD421 nicht nur verstärkt sondern auch noch „klanglich verbessert“. Damit würde man sich natürlich ein wenig vom Gedanken des „clean gain“ verabschieden denn diese Schönfärbung wäre sicherlich auch bei anderen Mikrofonen vernehmbar.

Um das Ganze zu testen habe ich mir mal schnell zwei SM57 aus der Mikrofonkiste geschnappt und eines davon mit einem FetHead zusätzlich verstärkt. Dann habe ich beide Mikrofone gleichzeitig in möglichst gleichem Abstand vor mich gehalten und hinein gesprochen. Auch wenn dieser Schnelltest alles andere als wissenschaftlich ist, so konnte ich keinen Unterschied feststellen. Und sollte einer tatsächlich einer vorhanden sein, so wäre er so minimal, dass er mir einfach nicht aufgefallen ist. Somit ist der FetHead für mich doch ein reiner, sauberer Verstärker ohne Schönfärberei. Gut so!

Klangbeispiele

Beispiel 1: Wanduhr. Mikrofon: Rode NT-4 Recorder: Tascam DR-100 mit maximaler, interner Verstärkung. Aufnahme ist auf -0,3dBFS normalisiert und ansonsten unbearbeitet.

 

Beispiel 2: Wanduhr. Mikrofon: Rode NT-4 Recorder: Tascam DR-100 mit maximaler, interner Verstärkung + FetHead. Aufnahme ist auf -0,3dBFS normalisiert und ansonsten unbearbeitet.

 

Beispiel 3: Plastikwecker. Mikrofon: Rode NT-4 Recorder: Tascam DR-100; Verstärkung ist auf durchschnittlich -12dB eingepegelt. Aufnahme ist auf -0,3dBFS normalisiert und ansonsten unbearbeitet.

 

Beispiel 4: Plastikwecker. Mikrofon: Rode NT-4 Recorder: Tascam DR-100 + FetHead; Gesamtverstärkung ist auf durchschnittlich -12dB eingepegelt. Aufnahme ist auf -0,3dBFS normalisiert und ansonsten unbearbeitet.

 

Weitere Klangbeispiele, beispielsweise in der freien Natur, wären an dieser Stelle nicht unbedingt sinnvoll, da der tatsächliche Sound zu stark vom eigenen Setup abhängig ist. Denn genau das macht der FetHead nicht: Sound. Er liefert einfach nur eine zusätzliche, saubere Verstärkung des Signals.

Hier noch die Spektrogramme der Klangbeispiele aus iZotope RX 4:

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Fazit

Ein FetHead ist natürlich kein Allheilmittel und kann einen hochwertigen Preamp nicht ersetzen. Aber das will das Gerät auch gar nicht: es greift dem Preamp helfend unter die Arme und kann ihn so entlasten. Und das gelingt den beiden Minivorverstärkern wirklich überzeugend. Für einen relativ geringen Preis erhält man hier ein wirklich nützliches Spezialwerkzeug, welches überzeugend seinen Dienst tut.

Der normale FetHead hat mich dabei noch ein wenig mehr überzeugen konnte da er, entsprechende Mikrofone vorausgesetzt, wirklich kinderleicht und absolut problemlos einzusetzen ist. Bei der „Phantom“ Variante muss darauf geachtet werden, dass alle Geräte im Setup miteinander harmonieren – dann steht aber auch hier sauber verstärkten Signal nicht mehr viel im Wege. Glückwunsch, TritonAudio; zwei tolle Produkte!

Bewertung

Mit einem Schnitt von 28 von 30 Punkten, erhalten die TritonAudio FetHeads die Note “Sehr Gut”.

Lieferumfang:4 out of 5 stars (4,0 / 5)
Funktionsumfang:5 out of 5 stars (5,0 / 5)
Bedienung:4 out of 5 stars (4,0 / 5)
Verarbeitung:5 out of 5 stars (5,0 / 5)
Klangqualität:5 out of 5 stars (5,0 / 5)
Preis:5 out of 5 stars (5,0 / 5)
Durchschnitt:4.7 out of 5 stars (4,7 / 5)

Preis & Verfügbarkeit

Die FetHeads sind unter anderem bei Digital Audio Service für 79€ bzw. 74,95€ (Phantom) zu beziehen. Alternativ kann man sie auch direkt über die Webseite des Herstellers für 69,95€ bzw. 74,95€ (Phantom) bestellen.

Links

www.tritonaudio.com
www.digitalaudioservice.de

Klaus Baetz

Klaus Baetz

Klaus ist professioneller Audio Engineer, Sound Designer, KSP-Scripter, Musiker und Field Recordist bei CSM Audio. Zudem ist Klaus Gast-Author bei FieldRecording.de