Review: Sound Devices 633 Production Mixer

Ende 2013 kündigte der amerikanische Hersteller Sound Devices eine kleinere Version seines unter Profis beliebten 12 Kanal Production Mixer 644 (eine Kombination aus Mixer und 16 spurigem Field Recorders) vor. Der 633 sollte bei reduzierter Größe immerhin noch 6 Mixer-Kanäle, sowie einen 10 Spur Recorder und die neue PowerSafe Technologie enthalten. Wir konnten schon im Februar als eines der ersten Magazine einen exklusiven Blick auf den 633 werfen.

Die Firma Sound Devices

Sound Devices LLC wurde 1998 mit dem Ziel gegründet professionelles Audioequipment für zufriedene Kunden herzustellen. Das erste Produkt war der mit Lundahl Wandlern bestückte MP-1 Portable Microphone Preamp für Broadcast Anwendungen. Einige der Entwicklungen rund um diesem Preamp waren die Grundbausteine späterer Produkte.

Heute zählen zur Produktfamilie Audio Mixer, Rekorder, Vorverstärker (Preamps), Computer Interfaces und Videoaufnahmegeräte für den professionellen Anwender. Dabei werden noch heute alle Produkte per Hand zusammengebaut. Die Produkte werden dabei immer aus Einzelteilen von ausgewählten Zulieferern aus der ganzen Welt in Reedsburg (WI, USA) in Handarbeit gefertigt.

Sie sind primär bekannt für ihre erstklassige Audioqualität und Robustheit, Ideal für die Arbeit unter extremen Bedingungen wie besonders niedrigen oder hohen Temperaturen und hoher Luftfeuchtigkeit. Sound Devices gibt für den 633 Betriebstemperaturen von -20° bis +60°Celsius an, sowie eine relative Luftfeuchtigkeit von bis zu 90% (nicht kondensierend). Deshalb sind Sound Devices Produkte häufig die erste Wahl von Profis wenn es neben der erwähnten Robustheit auf Portabilität, Haltbarkeit und außerordentliche Performance ankommt.

Sound Devices Produkte kommen in einer Vielzahl von Anwendungen wie Film, Fernsehen, Live und eben auch Field Recording zum Einsatz. Bekannte Field Recordisten und Sound Devices Anwender sind Chris Watson, Gordon Hempton, Watson Wu und viele mehr.

Features

Der Sound Devices 633 ist ein 6-Kanal Kompakt Mischer mit integriertem 10-Spur Rekorder. Im Grunde ist er der „kleine Bruder“ des 644, der seinerseits mit insgesamt 12 Kanälen und 16-Spur Rekorder auftrumpfen kann. Der 633 bietet als Erster der Mixer Serie „Quad Power Supply“ und die neue PowerSafe Technologie, auf die wir noch genauer im Praxisteil, sowie im Video eingehen werden.

Der 633 kann sowohl von zwei 7,2V L-Typ Lithium-Ion Akkus (universell verwendeter Akku bei div. prof. Sony Kameras und weiterem Broadcast-Zubehör), sowie sechs AA (Mignon) Batterien und mit einem externen 12-18V DC Netzteil bzw. Speiseadapter (z.B. von Kortwich) betrieben werden.

An Ein- und Ausgängen mangelt es dem 633 nicht. Drei XLR Anschlüsse bieten neben Phantomspeisung, High-Pass-Filter auch Input Limiter und variables Panning. Drei weitere Line-Inputs sind als TA3 (Mini-XLR) Anschluss vorhanden. Die Adapter (XL-2F-AR) auf normales XLR werden allerdings nicht mitgeliefert. Alle Ein- und Ausgänge lassen sich mit einem Delay in der Aufnahme verzögern.

Ein weiteres Feature ist das Abspeichern benutzerspezifischer Abhörkonfigurationen für den Kopfhörer. Ideal um schnell eine Abhörquelle auswählen zu können.

Weitere Features sind der eingebaute Ambient Lockit Master Timecode Generator, ein Farb-LCD Bildschirm, ein intuitiv bedienbares Menü, verschiedene abspeicherbare Ein- und Ausgangskonfigurationen für die XLR und TA3 Anschlüsse, zwei AES3 oder AES42 Digitaleingänge, sowie vier AES Digitalausgänge.

Der eingebaute Rekorder zeichnet hochqualitative WAV Files mit bis zu 24-bit und 192 KHz auf Compact-Flash, oder SD Karten auf. Welche Marke dabei empfehlenswert ist, zeigt die Kompatibilitätsliste von Sound Devices auf. Dabei ist es nie verkehrt auf eine bekannte Marke wie Transcend oder Sandisk zu setzen.

Beim Test kam eine 8GB Class 10 SDHC Card von Sandisk zum Einsatz, die neben einer extremen Haltbarkeit auch hohe Schreib- und Lesegeschwindigkeiten von bis zu 95MB/s ermöglicht. Diese Karte ist ideal für Fotografie, Full-HD Videoaufnahmen und natürlich Field Recording und eigentlich zu jedem Rekorder kompatibel.

Wie die „7 Series“ Rekorder von Sound Devices bietet der 633 eine Bearbeitungsfunktion für Metadaten über das Menü oder über eine USB-Tastatur an (beim 633 wird kein Adapter mehr benötigt).

Technische Daten

Hier ein Auszug der technischen Daten (Quelle: Sound Devices):

  • 3 Mic/ Line inputs (XLR)
  • 3 Line Inputs (TA3)
  • 6 Output Busse
  • AES3/AES42 Inputs
  • 4 AES3 Outputs
  • Nimmt WAV Files mit bis zu 24-bit @ 192 kHz oder MP3 auf SD und CF Karten auf.
  • Speisung über ext. DC (12-18V), Sony L-type (x2) oder 6 AA (LR6) Batterien
  • PowerSafe Daten Schutz
  • Interner Ambient TC Generator
  • Maße: 6cm x 24cm x 14cm
  • Gewicht (ohne Batterien): 1,1kg

Lieferumfang

  • Recorder
  • Bedienungsanleitung

Optionales Zubehör

  • CS-633 Production Case (Portabrace)
  • CS-Strap – Für das CS633 passender Schultergurt
  • CS-Man – Gepolsterte Tasche
  • XL-B2 und XL-B2 – Passende Akkus
  • XL-NPH – Akku-Dock für Anschluss via Hirose 4 Stecker (Akku als externe Stromquelle nutzen)
  • XL-WPH3 – Universalnetzteil
  • Div. (BNC, XLR) Stecker und Adapter

 

Erster Überblick

Alle Geräte aus dem Hause Sound Devices sind für die harte Arbeit „on the field“ gebaut. Das sieht man ihnen nicht nur an, das fühlt man auch. Der 633 ist leicht und kompakt. Das Gehäuse besteht aus metallverstärkter Carbonfaser. Alle Regler und Taster fühlen sich wertig an. Er widersteht sowohl hohen, als auch niedrigen Temperaturen, Staub, hohe Luftfeuchtigkeit. Viele Besitzer eines Sound Devices Mixers oder Rekorders können die Verarbeitungsqualität bestätigen.

Die Bedienungelemente sind logisch angeordnet. Die Bedienung des Mixers ist dank der großen Potis schnell und einfach. Der direkte Zugriff auf zahlreiche Parameter des 633 ermöglicht schnelles und sicheres Arbeiten. Wichtige Funktionen sind nicht in Menüs versteckt, sondern immer „griffbereit“.

Eines vorab: In unserem Begleitvideo (weiter unten in diesem Artikel zu finden) erklären wir übrigens sämtliche Anschlüsse, Bedienelemente und zeigen das gesamte Menü und simulieren einen Ausfall der Stromversorgung des 633, um die neue PowerSafe Technologie zu zeigen.

Praxis

Bei noch eiskaltem Winterwetter konnten wir den 633 antesten. Dieser wurde uns vom deutschen Distributor Ambient Recording GmbH, mitsamt einer erstklassigen Kortwich Tasche, samt zwei geladenen Akkus und Kortwich Ladegerät geliefert. So konnten wir also gleich loslegen, wir brauchten nur noch eine SD-Card einlegen und Kopfhörer und Mikrofon anschließen.

 


Während unserer Tests kam es zu keinerlei Problemen. Der 633 ist nur wenige Sekunden nach dem Einschalten sofort einsatzbereit. Hat man wichtige Parameter bereits vor der Aufnahme eingestellt, braucht es nur noch einen Knopfdruck und die Aufnahme läuft. Wir haben den 633 zusammen mit dem äußerst hochwertigen Neumann Kunstkopf KU 100, sowie dem DPA d:dicate 4017B-R Shotgun-Mikrofon testen können.

Das nasskalte Winterwetter am Elbstrand in Hamburg-Blankenese machte dem Rekorder überhaupt nichts aus. Die Testaufnahmen mit dem KU100 waren schnell und einfach realisiert. Die Klangqualität und das Stereobild des Kunstkopfs wurden perfekt aufgezeichnet.

Rauschen spielt bei Sound Devices so gut wie keine Rolle. Auch der 633 arbeitet bis zu einem Grad rauschfrei. Erst eine hohe Vorverstärkung (siehe Klangbeispiele) entlockt dem Sound Devices ein dezentes Rauschen. Hierbei kommt es natürlich auch auf das angeschlossene Mikrofon und dessen Pegel und Signalqualität an.

Was wir uns in der Dunkelheit gewünscht hätten wäre eine zuschaltbare Hintergrundbeleuchtung der wichtigsten Bedienelemente, wie bei den Rekordern der „7 Series“. Dies würde die Arbeit im Dunklen wesentlich erleichtern. Das Display jedoch war zu jeder Zeit einwandfrei ablesbar. Auch bei Tageslicht waren, dank Tageslicht-Modus, alle Inhalte vom Display gut ablesbar.

Die Abhörsektion ist wieder einmal erste Sahne. Schnell lassen sich einzelne Eingangskanäle mit kleinen Kippschaltern über den Fadern vorhören („Pre Fader Listening“). Auch lässt sich, wie von Sound Devices Recordern der „7 Series“ bekannt, zwischen eingehendem und dem tatsächlich aufgezeichneten Signal („Hinterbandkontrolle“) unterscheiden.

Der Kopfhörerverstärker lieferte ausreichend Leistung konnte sowohl einen Sennheiser HD-25 C II, als auch einen hochohmigen Beyerdynamic DT 770 Pro (250 Ohm Impendanz) mit ausreichend Lautstärke versorgen. Dabei hielt sich das Hintergrundrauschen des Verstärkers sehr in Grenzen, war kaum wahrnehmbar. So lässt sich das Signal wesentlich präziser analysieren. Oft muss man hier bei anderen Herstellern bzw. in den unteren Preisklassen starke Einbußen hinnehmen.

Die neue PowerSafe Technologie

Absolut neu beim 633 ist auch die neue PowerSafe Technologie. Automatisch wechselt der 633 bei ausfallender, primärer Stromquelle auf eine andere zur Verfügung stehenden Stromquelle, wie z.B. den zweiten Akku oder externem Akku bzw. Netzteil.

Falls alle Stromquellen ausfallen, verschafft einem die neue PowerSafe Technologie wertvolle 10 Sekunden, schließt die Datei und fährt das Gerät entweder sauber herunter oder ermöglicht einen aussetzungsfreien Batterie- bzw. Stromquellenwechsel.

Video

Klangbeispiele

Was man so mit einer hochwertigen Kombination aus Field Mixer und Recorder spontan zaubern kann zeigen die nun folgenden Klangbeispiele. Diese wurden mit 192KhZ, 24bit aufgezeichnet und als WAV-Dateien unbearbeitet hinterlegt. Als Mikrofon kam der Neumann KU 100 Kunstkopf zum Einsatz, den wir in natürlich auch ausführlich getestet haben. Das Review folgt zeitnah.

Elbstrand (Mikrofon: Neumann KU 100 Kunstkopf)

Elbstrand (selbe Aufnahme) mit -12dB Normalisierung

Regen im Winter (Mikrofon: Neumann KU 100 Kunstkopf)

Rauschtest: DPA 4070 an SD633, Preamp auf Maximum

Rauschtest: RODE NT4 an SD633, Preamp auf Maximum

Fazit

Der Sound Devices 633 ist neu und doch beinhaltet er nebst Neuem wie der PowerSafe Technologie altbewährte Features und Qualität, die man von Sound Devices Produkten gewöhnt ist.

Minuspunkte gibt es für uns nicht. Einzig über den Preis würde vielleicht manch einer diskutieren. Jedoch handelt es sich hierbei nicht um ein Einsteigergerät, sondern um einen professionellen, qualitativ hochwertigen Fieldmixer mit eingebautem Recorder in robuster Verarbeitung.

Unser Dank geht an dieser Stelle an die Firma Ambient Recording München, die uns direkt nach Auslieferung einen 633 zur Verfügung gestellt haben.

Plus

+ Verarbeitung
+ Klangqualität
+ Preis-/Leistungsverhältnis

Minus

-,-

Bewertung

Mit einem Schnitt von 27 von 30 Punkten, erhält der Sound Devices 633 die Note “Sehr Gut”.

Lieferumfang:3 out of 5 stars (3,0 / 5)
Funktionsumfang:5 out of 5 stars (5,0 / 5)
Bedienung:5 out of 5 stars (5,0 / 5)
Verarbeitung:5 out of 5 stars (5,0 / 5)
Klangqualität:5 out of 5 stars (5,0 / 5)
Preis:4 out of 5 stars (4,0 / 5)
Durchschnitt:4.5 out of 5 stars (4,5 / 5)

Preis & Verfügbarkeit

Der Sound Devices 633 ist zum Preis von 3.250,00 EUR zzgl. MwSt. bei Ambient Recording GmbH erhältlich.

Ambient bietet auch das sog. 633-Kit an: Dieses enthält neben dem Rekorder, eine passende Tasche (Modell CS-633, made by Portabrace), div. Anschlusskabel, zwei Akkus und je eine 16GB SD und eine CF Card. Der Preis für das Kit ist 3.940,00 EUR zzgl. MwSt.

Links

Sound Devices www.sounddevices.com
Ambient Recording (Vertrieb, Service) www.ambient.de

Sebastian-Thies Hinrichsen

Sebastian-Thies Hinrichsen

Gründer, Betreiber und Chefredakteur von FieldRecording.de. Zudem Field Recordist und offizielles Mitglied der Wildlife Sound Recording Society. Profi mit mehrjähriger Erfahrung in Sachen Musik, Klanggestaltung, Tontechnik und Field Recording.