Review: Fostex FM-3 Portable Mixer

Der Fostex FM-3 ist ein portabler, 3-kanaliger Mixer mit drei Eingängen und Stereo Ausgang für den professionellen Einsatz im Bereich ENG (Electronic News Gathering) bzw. Broadcast (TV, Radio) und Filmton. Aber auch fürs Field Recording, zusammen mit einem hochwertigen Audiorekorder, kann der handliche Mischer mit seinen erstklassigen Preamps genutzt werden. Wir haben den FM-3 intensiv getestet, haben Benchmarks und Testaufnahmen gemacht, sowie ein kleines Unboxing-Video.

Die Firma Fostex

Fostex ist bei weitem kein neuer Hersteller, auch keine neue Marke! Seit über 30 Jahren fertigt man unter der Marke Fostex professionelles Audioequipment, dass sich immer noch in vielen Rundfunk-, Fernseh. und Tonstudios wiederfindet. Die Foster Electric Co., Ltd beschäftigt über 20.000 Mitarbeiter in 9 Ländern.

Schon seit 1973 fertigt die Foster Electric Co., Ltd. (1949 gegründet) elektronische Geräte. Angefangen hat es mit Lautsprechern und Wandlern. 1978 kamen Lautsprecherkomponenten unter der neuen Marke Fostex dazu. Kurze Zeit später, in den frühen 1980er Jahren, stellte man dann erstmals mehrspurige Tonbandmaschinen her, bis 1995 zusammen mit der Firma Alesis der erste digitale Mehrspurrekorder „RD-8“ (ein ADAT Rekorder), das Licht der Welt erblickte.

Über DAT und DVD-RAM ging es dann sehr schnell Richtung Flashspeicher-Technologie und portable Field Recorder. Einigen passionierten Field Recordisten sollte der Fostex „FR-2 Field Memory Recorder“ ein Begriff sein. Er bot – seiner Zeit weit voraus – Stereoaufnahmen mit bis zu 192kHZ in 16 und 24bit an.

In Deutschland sind Fostex Produkte über die Firma Mega Audio in Bingen (www.megaaudio.de) erhältlich, die auch den Service für den japanischen Hersteller aus Tokio durchführt.

Der FM-3 – Erster Überblick

Der FM-3 Portable Mixer besteht komplett aus robustem aber dennoch leichtem, schwarz lackiertem Aluminium. Stabil genug also für den harten Einsatz draußen.

Die Bediensektion ist typisch für Field Mixer an der Vorderseite (oder dann in einer Tasche eingesetzt oben) angebracht. Der Workflow am Frontpanel ist klar gegliedert: Links geht´s rein, Rechts geht´s raus. So sind nicht nur die Bedienelemente, sondern auch alle Anschlüsse angeordnet. Alles wirkt aufgeräumt und professionell „in place“. Wer also schon einmal einen portablen Mischer (z.B. von Wendt) bedient hat, wird sich sofort auskennen.

Die drei hochwertigen und robusten Faderpoti besitzen eine aus Metall verarbeitete Achse und einen aus speziellem Kunststoff hergestellten Poti für eine lange Lebensdauer. Neben den drei massiven Drehpoties fallen die kleineren, versenkbaren Poties für diverse Einstellungen auf, die wir noch genauer betrachten werden. Praktisch jedenfalls, wenn z.B. Einstellungen nicht durch einen unüberlegten Handgriff verloren gehen sollen.

Der Blick geht weiter nach rechts am Bedienfeld, zu einem zunächst noch schwarzen Glas. Schaltet man den FM-3 ein, erleuchten dank eines Dot-Matrix OLED Displays zwei digitale VU-Meter, digitale Pegelanzeige, sowie eine Batterieanzeige hell und deutlich auf. Mit den danebenliegenden Tastern lässt sich u.a. die Helligkeit mehrstufig verstellen.

An der Front sind zwei Griffbleche montiert, sowie auf beiden Seiten zwei Gurthalter. Fostex bietet sowohl einen Schultergurt, als auch eine passende Tasche für den FM-3 an. Alle Ein- und Ausgänge sind professionell direkt und schnell erreichbar und bis auf wenige Ausnahmen als symmetrische XLR-Anschlüsse ausgelegt.

Professionelle Features

Der FM-3 wäre kein professioneller Mixer, wenn er nicht Profi-Funktionen mitbringen würde:

PFL (Pre Fader Listen) ermöglicht es Eingangssignale einzeln per Knopfdruck vorzuhören, ohne sie am Stereoausgang anzulegen.

Der Kippschalter mit der Beschriftung „Slate“ steuert für Kommentare eingebaute Mikrofon an. Dessen Ton wird dann auf den Stereo-Ausgang geroutet. Die Position „1k“ schickt einen 1kHZ Pegelton an den Ausgang für das Einpegeln der Master-Ausgänge und den Eingängen des empfangenden Rekorders (eine Kamera oder ein Field Recorder).

Der analoge VCA Limiter verhindert Übersteuerungen noch vor der AD-Wandlung. Dieses nützliche Feature ist ideal für unkontrollierbare Klangsituationen und rettet so manche Aufnahme. Positiv und eher selten ist, dass der Threshold Level, als auch die Compression Rate einstellbar sind. Dies geschieht über das Status-Menü im Display des Mixers.

An speziellen Ein- und Ausgängen bietet der FM-3 „Sub Out“ (zweites Stereo Ausgangspaar mit dem Signal vom Master) und „Tape Out“ für ein unsymmetrisches Signal an einem 3,5mm Klinkenanschluss, z.B. für eine DSLR-Kamera.

Main- und Sub-Out sind im Pegel mit +4 dBu, 0 dBu, -20 dBu und -60 dBu einstellbar.

Der „AUX IN“ ist ideal um mehrere FM3-Mixer zu kaskadieren, oder aber auch um andere Audiogeräte an den Stereo Ausgang zu routen.

„AUX OUT“ wiederum ist umschaltbar und gibt paarweise Eingänge 1-3 und den Stereo Buss in Mono oder Stereo aus.

Neben 48 Volt Phantomspeisung für aktuelle Kondensatormikrofone, bietet der FM-3 für ältere, professionelle Mikrofone eine Tonaderspeisung von 12 Volt an. Nur geeignete Mikrofone dürfen mit Tonaderspeisung betrieben werden. Insbesondere dynamische Mikrofone würden durch die auf den Signalleitungen liegende Spannung zerstört werden.

Ein zweiter Kopfhöreranschluss (3,5mm Miniklinke) rundet die professionellen Features schließlich ab.

Die Stromversorgung – genug Leistung für unterwegs

Längere Field Recording Session geplant? Der FM-3 bietet ein internes Batteriefach für insgesamt acht AA (Mignon) Batterien, die man in ein Batterie Pack einsetzt. Damit sind laut Hersteller mehr als 6 Stunden Betrieb mit einfachen Batterien (ohne eingeschaltete Phantomspeisung) möglich. Benötigt man Phantom- oder Tonadersspeisung, sollten es schätzungsweise 3-4 Stunden – bei normalen Bedingungen – werden.

Während unserer mehrstündigen Tests mit Phantomspeisung auf zwei Kanälen ist die Batterieanzeige erst gegen Ende um zwei Balken gesunken.

Reicht ein Batterie Pack nicht aus, kann man weitere nachkaufen – oder besser – gleich auf eine externe, professionelle Stromversorgung mit 10-24V setzen. Das ist zudem praktisch, da zwischen dem internen Batteriefach und externer Stromversorgung umgeschaltet werden kann. Hierfür bietet der FM-3 einen 4poligen XRL-Anschluss. Dieser ist für das optional erhältliche Netzteil gedacht, aber laut Anleitung sind auch externe Battery Packs anschließbar.

Für drahtlose Mikrofonstrecken bietet der FM-3 einen 4pin Hirose Anschluss (HR10A-7R-4S, female), mit dem sich selbige mit 7,2 bis 24 Volt versorgen lassen.

Die inneren Werte des Fostex FM-3

Die Schaltung des FM-3 ist für extrem niedriges Grundrauschen konzipiert worden und somit ideal für digitale Audioaufzeichnung im professionellen Umfeld.

Die „Low Noise Preamps“ sind laut Hersteller mit einem Frequenzgang von 40Hz bis 20kHz und einer S/N ratio von 55dB (bei -70dBU Verstärkung am Eingang) rauscharm und linear aufgebaut und bieten ausreichen Verstärkung für besonders leise Situationen. Die Total Harmonic Distortion (dt. Gesamte harmonische Verzerrung) wird mit 0,1% und weniger bei 1kHz angegeben.

Ob die technischen Werte realistisch sind, zeigt unser Benchmark weiter unten.

Praxis

In der Praxis erwies sich der Mixer einfach und unkompliziert zu bedienen und enttäuschte zu keiner Zeit. Die Bedienung des Mixers ist für halbwegs erfahrene Field Recordisten auch ohne Studium der Bedienungsanleitung kein Problem. Der Signalfluss läuft logisch von links nach rechts.

Die robust verarbeiteten Poties der Eingänge fühlen sich wertig und gut dosierbar an. Die Pegel-LEDs bei jedem Eingang leuchten bei ausreichend Signal grün, bei Übersteuerung rot.

Der analoge Limiter arbeitet dezent, aber effektiv, wenn es darauf ankommt.

Der Pegelabgleich zwischen Mixer und Recorder geht dank 1kHz-Pegelton schnell und unkompliziert. Dabei hilft auch das schnell reagierende OLE-Display mit seinen gut ablesbaren VU-Metern und Pegelbalken.

Der Kopfhörer-Ausgang liefert ausreichend Leistung, auch für hochohmige Kopfhörer wie den Beyerdynamic DT 770 Pro 250 (Ohm). Ganz rauschfrei ist der eingesetzte Verstärker allerdings nicht. Dies ist leider ein häufiges Problem, in nahezu jeder Preisklasse. Das Rauschen hält sich jedoch in Grenzen. Die mannigfaltigen Abhörmöglichkeiten für Stereo, Einzelkanäle und M/S-Stereofonie sind aber erstklassig.

In einem kleinen Video zeigen wir den Fostex FM-3, die wichtigsten Features und führen euch durch den Pegelabgleich für die Inbetriebnahme an einem externen Rekorder.

Natürlich haben wir noch ein paar Klangbeispiele aufgezeichnet. Hierzu haben wir ein Rode NT-4 Stereomikrofon, sowie als Aufnahmegerät einen Roland R-44 Field Recorder genutzt. Die Aufnahmen wurden bei 96kHz mit 24bit erstellt und ohne Nachbearbeitung als WAV-File hochgeladen.

Klangbeispiele

Leider ist mittlerweile Herbst und mit Vogelkonzert am Frühjahrsmorgen können wir leider nicht dienen. Daher haben wir das Mikro einfach draußen platziert und das Rauschen der Blätter in den Bäumen samt Vogelstimmen und üblichem Großstadtlärm aufgezeichnet. Einmal mit normalem Pegel (entspricht vom Höreindruck der realen Lautstärke der Quellen) und einmal mit maximal möglichem Pegel bei 0dB ausgesteuert.

Als Mikrofon wurde ein Rode NT-4 Stereomikrofon in einem Rode Blimp, als Rekorder ein Roland R-44 Field Rekorder verwendet. Aufgezeichnet wurde mit 96kHz, 24bit als Wav-File.

Herbstatmo, Fostex FM-3, normaler Pegel

Herbstatmo, Fostex FM-3, maximaler Pegel (0dB)

Hier das Ganze einmal ohne den FM-3, Mikrofon direkt im R-44:

Herbstatmo, R-44, normaler Pegel

Hier die Wirkung des Hochpassfilters im FM-3:

Herbstatmo, Fostex FM-3, Hochpassfilter aus/an/aus/an/aus

Zum Schluss haben wir noch einmal die Atmo in einem geschlossenen Raum aufgenommen, bei der Musik aus einem Nebenraum von einem iPhone abgespielt wird.

Raumatmo, Fostex FM-3, normaler/maximaler/normaler Pegel

Messwerte / RMAA Benchmark

Für den RightMark Audio Analyzer Benchmark haben wir den Fostex FM-3 mit Ein- und Ausgängen (symmetrische Verkabelung) an ein Focusrite Saffire Pro 40 Audiointerface angeschlossen.

Danach schickten wir die Testsignale in den Mixer und wieder zurück in das Interface. Hierbei ist zu beachten, dass die Signale eine D/A und A/D Wandlung erfahren, was zu minimalen Klangverlusten führen kann und bei den Ergebnissen zu berücksichtigen gilt. Wir haben deshalb als Gegentest noch einmal ohne FM-3, also nur das Audiointerface, getestet. Hierbei zeigte sich, dass das Interface das Testergebnis nur minimal beeinflusst.

Um die bestmögliche Ausgangssituation zu erreichen, wurden die Tests mit maximalen Werten des Audiointerface mit 96kHz und 24bit durchgeführt. Dabei erreichte der Fostex FM-3 folgende Ergebnisse:

Frequency response (from 40 Hz to 15 kHz), dB: +0.24, -0.46

Noise level, dB (A): -90.9

Dynamic range, dB (A): 90.9

THD, %: 0.029

IMD + Noise, %: 0.068

Frequenzgang

Der Frequenzgang ist wie vom Hersteller angegeben nahezu linear, mit einer leichten Absenkung ab 200Hz bis runter zu 30Hz, wo es nochmal eine kleine Senke gibt. Dies ist jedoch ein Bereich der für die meisten Field Recordisten eher weniger interessant ist aufzuzeichnen. Insgesamt kann der Frequenzband als „gut“ bezeichnet werden.

Rauschpegel („Grundrauschen“)

Das Grundrauschen liegt im Peak bei ca. -75 dbFS, was in etwa den Angaben des Herstellers entspricht. Fostex hat in den Technischen Daten bei Line (+4 dBu) 80dB und besser angegeben. Das Testsignal entsprach mit 0dB Line-Pegel. Also durchaus vergleichbar und somit ein sehr guter Wert.

Klirrfaktor (Gesamte Harmonische Verzerrung + Rauschen)

Fostex gibt die Verzerrung bei +4db mit 0,1% und weniger bei 1kHz an. Wir haben links 0,0262% und rechts 0,0319% gemessen. Mit Rauschen erhalten wir +0,0476 links, +0,0319 rechts.

Der THD-Wert liegt mit 0.029% deutlich unter den Herstellerangaben. Der THD-Wert inklusive Rauschen ist mit -65,8dB ein durchschnittlicher Wert.

Intermodulationsverzerrung

IMD + Rauschen wurden mit einem guten Wert von 0,068% gemessen (links 0,0664%, rechts 0,0687%).

Stereo Crosstalk (Übersprechen)

Der Fostex FM-3 Mixer hat mit -87,0dB beim Übersprechen einen exzellenten Wert hingelegt und ist sogar besser als der angegebene Wert des Herstellers.

Fazit

Der Fostex FM-3 darf sich zu Recht als professioneller Mixer bezeichnen. Seine Verarbeitungsqualität, die Funktionen und nicht zuletzt die Audioqualität sind sehr gut.

Die Preamp-Leistung ist gut. Selbst leiseste Klangquellen können mit einem guten Mikrofon ordentlich verstärkt werden, ohne das dabei das hörbare Rauschen stark zunimmt.

Der FM-3 ist ideal für den Anschluss an Aufnahmegeräte mit Line-Inputs, wie z.B. portable Field Recorder mit eher schwachen Preamps, oder aber auch Kameras.

Obwohl der Mixer im Broadcast- und Filmbereich zu Hause ist, ist er nicht weniger fürs Field Recording geeignet.

Professionelle Hardware kostet immer etwas mehr, das wäre auch der einzige Kritikpunkt am FM-3 für den Hobbyisten. Wer jedoch ambitioniert ans Field Recording gehen will, gar damit sein Geld verdient, wird immer in hochwertiges Equipment investieren. Im Preisvergleich mit einem Sound Devices Mixer ist der Fostex FM-3 fast schon ein „Schnäppchen“.

Plus

+ Bedienung

+ Funktionen

+ Preamps

+ Verarbeitungsqualität

Minus

-.-

Bewertung

Mit einem Schnitt von 4,3 erhält der Fostex FM-3 die Note „sehr gut„.

Lieferumfang:3 out of 5 stars (3,0 / 5)
Funktionsumfang:5 out of 5 stars (5,0 / 5)
Bedienung:5 out of 5 stars (5,0 / 5)
Verarbeitung:5 out of 5 stars (5,0 / 5)
Klangqualität:5 out of 5 stars (5,0 / 5)
Preis:3 out of 5 stars (3,0 / 5)
Durchschnitt:4.3 out of 5 stars (4,3 / 5)

Preise & Verfügbarkeit

Der Fostex FM-3 ist zum Preis von 1.840,93 (inkl. MwSt) über den deutschen Vertrieb Mega Audio (www.megaaudio.de) erhältlich.

Fostex FM-3 Portable Mixer (bei Amazon.de)

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Mehr Informationen zum FM-3 und anderen Produkten von Fostex finden sich auf der Herstellerseite: www.fostexinternational.com

Sebastian-Thies Hinrichsen

Sebastian-Thies Hinrichsen

Gründer, Betreiber und Chefredakteur von FieldRecording.de. Zudem Field Recordist und offizielles Mitglied der Wildlife Sound Recording Society. Profi mit mehrjähriger Erfahrung in Sachen Musik, Klanggestaltung, Tontechnik und Field Recording.